Samstag, 15. Dezember 2018

Silicon Valley Wie die Tech-Riesen ihre Mitarbeiter verhätscheln

Google, Facebook, Evernote: Arbeiten im Wellness-Park
DPA

4. Teil: Facebook: Ein kleinformatiges Disneyland im Niemandsland von Menlo Park

Zwölf Kilometer nordwestlich vom Google-Campus ist Facebook Börsen-Chart zeigen zuhause. Der Campus liegt im Niemandsland von Menlo Park, zwischen dem sechsspurigen Bayfront Expressway und den Salzmärschen der San Francisco Bay. Elf Zweckbauten umgeben asphaltierte Fußwege und einen Platz, Hacker Square genannt. Es wirkt alles wie ein kleinformatiges Disneyland, das artifizielle Zentrum einer heilen amerikanischen Kleinstadt.

Es gibt Cafés, Restaurants, eine Eisdiele, einen Gym, Spielhalle, eine kleine Klinik, einen Chiropraktiker, eine Fahrradwerkstatt, eine Schreinerei, eine Druckerei namens Analog Research Lab, einen Friseur und eine Reinigung.

Die 3000 Facebook-Mitarbeiter können am 1 Hacker Way drei Mal täglich kostenlos essen, ihre Familie zum Essen auf den Campus bringen oder eine subventionierte Manicure und Pedicure genießen. Auf einer riesigen Leinwand auf dem Hacker Square wird alle zwei Wochen abends ein Film gezeigt.

4000 Dollar für den Kinderwagen - und das iPad für warme Tage

Die agile Belegschaft (Durchschnittsalter: 26) muss nicht in den Großraumbüros an langen Tischen arbeiten, der gesamte Campus hat W-Lan. An diesem sehr warmen Mittwochnachmittag sitzen Mitarbeiter auf Liegestühlen und Sesseln, die Laptops und iPads auf den Knien. "Es geht uns darum, dass die Mitarbeiter sich wohl fühlen, wir ihnen Alltagsstress abnehmen und sie sich aufs beruflich und privat aufs Wesentliche konzentrieren können", erklärt HR-Managerin Janelle Gale.

Dazu gehören auch bis zu 5000 Dollar für Adoptionen, 4000 Dollar für Kinderwagen und andere Notwendigkeiten für werdende Eltern, vier Monate Elternurlaub und Kinderbetreuung für Notfälle. "Wenn meine Tochter krank ist und nicht in die Kita kann, rufe ich eine Nummer an und ein Facebook-Dienst schickt uns eine Kinderbetreuerin", sagt Tom Stocky, der bei Facebook für die Suchtechnologie verantwortlich ist. "All diese Leistungen geben mir das Gefühl, dass meine Familie eine natürliche Erweiterung meines Jobs ist."

Facebook-Mitarbeiter sind Facebook-Freunde, jeder erfährt dank der institutionalisierten Mitteilsamkeit private Details über die Kollegen. "Es ist irgendwie schräg - man arbeitet bei Facebook, nutzt Facebook täglich und ist mit allen hier auf Facebook befreundet - es lässt die Grenzen verschwimmen", sagt Stocky, der 120 Leute unter sich hat.

Aber für ihn ist das alles wünschenswert: "Wie happy man in der Arbeit ist, hängt meist von den Kollegen ab. Es ist in der Regel positiv, wenn man sie besser kennenlernt."

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