Freitag, 16. November 2018

Fintech-Startup WB21 Weltbank ohne Banklizenz - die abenteuerliche Story des Fintech-Unternehmers Michael G.

Michael Gastauer: Der Fintech-Unternehmer sorgt mit märchenhaften Zahlen für Furore - und für Zweifel

3. Teil: Wo bleibt die Banklizenz?

Auch für die fehlende Banklizenz hat Gastauer eine Erklärung: Man arbeite schließlich mit Banken zusammen - beispielsweise der HSBC. Über dortige Konten liefen die Transaktionen. Allerdings sei ein Antrag auf eine Banklizenz in Deutschland aktuell in Vorbereitung, erklärt er gegenüber manager-magazin.de. Die Sache liege bei den Anwälten.

Und noch etwas wirft Fragen auf: Gastauers bewegte Vergangenheit als Geschäftsführer der Schweizer G&S Vermögensverwaltung GmbH, die im Zusammenhang mit gewerbsmäßigem Betrug nicht nur in der Schweiz Schlagzeilen machte. Und in deren Management es 2010 laut Presseberichten auch zu einer Verurteilung eines damals 36-Jährigen Deutschen kam.

Dass er das Unternehmen G&S gegründet hat und als Geschäftsführer fungierte, räumt Gastauer auf Nachfrage von manager-magazin.de ein. Auch sei er selbst Anschuldigungen ausgesetzt gewesen. Er sei aber weder vorbestraft und auch nicht in Untersuchungshaft gewesen.

Auch in der deutschen und internationalen Fintech-Branche machen sich mittlerweile Zweifel an Gastauers Erfolgsstory breit. So verweist ein Experte darauf, dass laut dem Statistiktool Similarweb ein großer Teil des Traffics von Bitcoin-Seiten wie coiniran.ir, bitcoin-mining-tech.com oder paradisi-fiscali.com kommt. Ein anderer, der seinen Namen auch nicht genannt sehen will, verweist auf die große Zahl von Fake-Followern auf Gastauers Twitter-Account und auf die enorm großen, runden Zahlen, die Gastauer präsentiert. Auch der Blog der "Financial Times" FT Alphaville widmete dem Phänomen WB21 kürzlich einen Beitrag.

Daraus, dass er mit Bitcoin und einem Kunden aus Russland einen erklecklichen Teil seines Geschäftes erzielt, macht Gastauer keinen Hehl. Schließlich wirbt WB21 explizit damit, dass Kunden dort ihre Bitcoins in nicht virtuelle Währungen umtauschen können.

Wirklich handfeste Vorwürfe kann keiner der Experten benennen. Was bleibt, sind allerdings Fragen. Letztlich bleibt das Ganze eine Wette in einem Markt, von dem sich viele vieles erhoffen, den allerdings nur wenige wirklich verstehen. Eine Wette, an der Michael Gastauer und noch ein einige andere viel Geld verdienen wollen.

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