Donnerstag, 15. November 2018

Finnlands Start-ups Bye, bye Nokia - hallo Zukunft

Tech-Szene: Nokias Erben
AP

2. Teil: Rovio, Uplause, Supercell: "Finnland braucht neue Ikonen"

So wie Rovio, der Erfinder des Smartphone-Spiels Angry Birds. Das Unternehmen, dessen Zentrale nur eine Gehminute vom extravaganten Nokia-Stammsitz direkt an der Baltischen See entfernt liegt, hat in Finnland längst Kult-Status erreicht - und ist doch schon dabei, in Sachen Ansehen vom nächsten Überflieger-Startup überholt zu werden: 1,5 Milliarden Dollar hat der japanische Tech-Konzern Softbank jüngst für die Mehrheit am Spiele-Entwickler Supercell gezahlt. Die Supercell-Mitgründer Ilkka Paananen und Mikko Kodisoja waren auch im Gründerteam von Uplause mit dabei.

"Finnland braucht neue Unternehmens-Ikonen. Und diese heißen Rovio und Supercel", sagt Tuula Antola, im Rathaus von Espoo für Wirtschaftsentwicklung zuständig, zur Begrüßung. Ja, das mit Nokia Börsen-Chart zeigen sei tragisch. Aber kein Grund, zu verzweifeln.

Mehrere Zehntausend Jobs hat der ehemals größte Konzern des Landes in den vergangenen Jahren zwar abgebaut, jetzt hoffen sie, die neuen Unternehmer-Helden von Supercell, Rovio, Jolla & Co. würden bald mehr Arbeitsplätze schaffen, als bei Nokia vernichtet wurden.

Wie das genau gehen soll? Staat, Stadtverwaltung, Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie Nokia selbst gehen für den Wiederaufbau mächtig in Vorleistung: Für Unternehmensgründer gibt es günstige Kredite, Schulungen und spezielle Förderprogramme in einem Land, in dem bis vor Kurzem das Wort Venture Capital, also Geld aus Wagnisfonds, kaum einer kannte.

"Der Geist von Nokia lebt weiter"

"Das Unternehmertum liegt nicht unbedingt im Wesen von uns Finnen. Mit dem Gründerboom findet gerade ein kultureller Umbruch statt", konstatiert Antola. Auch ehemalige Nokia-Angestellte haben ein umtriebiges Netzwerk gestartet, Kaato, das ausländischen Firmen hilft, mit Hilfe finnischer Tech-Experten im Land Geschäft aufzubauen. "Der Geist von Nokia lebt weiter", sagt dazu Kaato-Mitglied und ehemaliger Nokia-Manager Heikki Tarvainen.

Wie vital gar die Gegend rund um die Heimstätte der gefallenen Unternehmens-Ikone Nokia in Zukunft pulsieren soll, zeigt Antola, die Frau im Rathaus, gerne anhand von Bauplänen und bunten Charts, die sie auf dem Computer gespeichert hat. Allein in die Region rund um Espoo sollen in den kommenden zehn Jahren fünf Milliarden Euro fließen, erzählt die Entwicklungsbeauftragte.

Gebaut wird unter anderem eine Metrolinie, die Helsinki mit Espoo, den technischen Universitäten dort und einem neu entstehenden Business- und Tech-Zentrum verbinden soll. Selbst den größten Büro-Turm Europas wollen sie bald hier errichten. Er soll gleich neben der Nokia-Zentrale stehen.

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