Montag, 19. November 2018

Was Facebook darf und was nicht Stopp, Mr. Zuckerberg, bis hierher und nicht weiter

Facebook-CEO Zuckerberg

Der Skandal um 50 Millionen Facebook-Anwender, deren persönliche Daten offenbar unrechtmäßig verwendet wurden, macht vor allem deutlich, wo bei der Nutzung der Unmengen an Nutzer-Daten, die Firmen wie Facebook Tag für Tag sammeln und speichern, die roten Linien verlaufen.

Naiv wäre es, die Verwendung dieser Nutzerinformationen generell in Frage zu stellen. Denn mit solchen Daten Geld zu verdienen, ist der Kern des Geschäftsmodells von Firmen wie Facebook. Ohne diese Möglichkeit gäbe es für die Herren Zuckerberg und Co. kaum noch einen Grund, ihre viel besuchten Internetplattformen weiter zu betreiben.

Social-Media-Seiten wie Facebook verdienen in der Regel ihr Geld damit, anderen Unternehmen Platz für deren Werbung einzuräumen. Die Möglichkeit, dabei Botschaften so gezielt wie möglich jenen Personen zukommen zu lassen, für die sie von Interesse sind, ist dabei ein wichtiges Pfund, mit dem die Tech-Firmen wuchern können. Die Grundlage dafür ist die möglichst präzise Auswertung der Informationen, die über die Nutzer der Sozialen Medien vorliegen.

Das heißt: Wer Facebook daran hindern will, die Daten, die inzwischen rund zwei Milliarden Anwender auf der weltgrößten Social-Media-Seite regelmäßig hinterlassen, kommerziell zu nutzen, hat das Wesen und das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht richtig verstanden. Und wer damit als Facebook-Nutzer grundsätzlich ein Problem hat, der sollte sich vermutlich ohnehin besser von der Plattform verabschieden.

Kein Wunder also, das Facebook-CEO Mark Zuckerberg seinen Worten vom späten Mittwochabend zufolge angesichts der jüngsten Ereignisse keinerlei Einschränkung der kommerziellen Datennutzung von Seiten Facebooks vorsieht.

Anders verhält es sich freilich mit illegalen Zugriffen wie sie offenbar durch die britische Firma Cambridge Analytica stattgefunden haben. Solche Attacken sollte der Facebook-Chef wie angekündigt künftig verhindern, denn sie können das Vertrauen der Facebook-Nutzer untergraben, das eine der Grundlagen des Erfolgs der Website darstellt. Das das Unternehmen dafür sorgen sollte, dass derartige Datenkatastrophen sich nicht wiederholen, versteht sich allerdings eigentlich auch von selbst.

Finger weg von der Politik

Die aktuellen Enthüllungen sowie die seit Monaten anhaltenden Spekulationen um die Rolle Facebooks im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf machen jedoch deutlich, dass eine andere Abgrenzung in der Datendiskussion aus Sicht der Nutzer noch viel wichtiger sein dürfte: Nicht ob Daten von Seiten Facebooks oder Dritter ausgewertet und zur gezielten Steuerung von Botschaften verwendet werden, ist die entscheidende Frage, sondern um welche Art von Botschaften es dabei geht.

Lange Zeit richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem auf kommerzielle Werbung auf Facebook, sei es für Computerspiele, Geldanlagen oder was auch immer. Noch einmal: Facebook steht im Kampf um solche Anzeigen im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Plattformen, und je besser die gezielte Ausspielung auf den Seiten des Social-Media-Riesen funktioniert, desto mehr Umsatz und Gewinn kann er generieren.

Datenschützer mögen die Nutzung der Anwender-Informationen zu diesem Zweck also kritisieren. Letztlich scheinen sich aber nicht einmal die Nutzer selbst wirklich daran zu stören, wie die Erfolgsstatistik des Unternehmens zeigt. Wenn ich schon Anzeigen zu sehen bekomme, so dürfte sich manch einer sagen, warum dann nicht wenigstens welche, die mich auch interessieren?


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Anders sollte es dagegen sein, wenn es - wie offenbar auch im aktuellen Cambridge-Analytica-Fall - darum geht, gezielt die politische Meinungs- und Willensbildung von Millionen Facebook-Nutzern zu beeinflussen. Die Möglichkeiten in diese Richtung reichen offenbar bereits sehr weit, und es gibt eine Menge Hinweise darauf, dass diese Möglichkeiten beispielsweise vom Lager des heutigen US-Präsidenten Donald Trump im vergangenen US-Wahlkampf bereits genutzt wurden.

Spätestens an dieser Stelle sollten bei Facebook-Nutzern rund um den Globus die Alarmglocken schrillen. Über ein paar Anzeigen für Schuhe, Reisen oder die neueste Smartphone-App am Bildschirmrand muss man sich vermutlich wirklich nicht aufregen. Doch wer ist allen Ernstes bereit, sich ohne darauf hingewiesen zu werden klammheimlich politisch beeinflussen zu lassen?

Christoph Rottwilm auf Twitter

Eine besondere Note bekommt das Thema übrigens noch angesichts der seit einiger Zeit anhaltenden Spekulationen um mögliche politische Ambitionen von Facebook-Chef Zuckerberg persönlich. Sollte sich der CEO der weltgrößten Social-Media-Plattform künftig tatsächlich einmal um ein politisches Amt bewerben, so bekäme die Diskussion um die Einflussnahme auf die politische Willensbildung über Websites wie Facebook zweifellos noch einmal eine deutlich größere Bedeutung.

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