Dienstag, 20. November 2018

Mark Zuckerberg entschuldigt sich via CNN Facebook will Daten sicherer machen, aber die Nutzung für Werbung nicht einschränken

"I'm really sorry": Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg gesteht im Datenskandal Fehler ein und entschuldigt sich via CNN. Welche Fehler gemacht wurden, sagt Zuckerberg nicht. Mit "vielen Millionen Dollar" will er jetzt die Daten sicherer machen, sagt er dem Techblog "Recode". Ihre Nutzung für Werbezwecke will Facebook aber ganz offensichtlich nicht einschränken. Der Konzern würde sich einer weitergehenden Regulierung durch US-Behörden gleichwohl unterwerfen, kündigt Zuckerberg zugleich an.

Im Datenskandal bei Facebook hat Konzernchef Mark Zuckerberg Fehler eingeräumt und strengere Regeln angekündigt. "Das war ein großer Vertrauensbruch. Es tut mir leid, dass das passiert ist", sagte der Milliardär am Mittwochabend in einem CNN-Interview. Facebook habe die Pflicht, die Daten seiner Nutzer zu schützen. In dem größten sozialen Netz selbst schrieb Zuckerberg zuvor: "Es gibt noch mehr zu tun."

Welche Fehler genau gemacht wurden, erklärte der Manager nicht. Er kündigte aber eine Überprüfung der Software von anderen Anbietern auf Facebook an. Zudem solle der Zugang dieser Entwickler beschränkt werden. Geplant sei auch eine Funktion, mit der Facebook-Mitglieder den Zugang zu ihren Daten unterbinden könnten.

Es war das erste Mal seit Bekanntwerden der Vorwürfe am Wochenende, dass sich Zuckerberg dazu öffentlich äußerte. Sein Unternehmen steht in Europa und den USA unter Druck, weil die Londoner Beratungsfirma Cambridge Analytica unter Verdacht steht, Daten von 50 Millionen Nutzern auf unlautere Weise verwendet zu haben. Mit den so erstellten Profilen soll Cambridge Analytica zum Wahlsieg von Donald Trump 2016 beigetragen haben.

Zuckerberg sagte CNN, sein Unternehmen wolle eine Beeinflussung der US-Kongresswahl im November sowie der Wahlen in Indien und Brasilien verhindern. Er wolle sich zudem einer weitergehenden Regulierung durch die Behörden unterwerfen und wäre auch bereit, vor dem US-Kongress auszusagen.

Facebook will sich Regulierung durch Behörden unterwerfen

Der Datenskandal treibt auch Investoren um. Aus Furcht, dass Werbekunden abgeschreckt werden könnten, hat die Facebook-Aktie in den vergangenen drei Tagen mehr als 45 Milliarden Dollar ihres Marktwartes eingebüßt. Nach der Veröffentlichung von Zuckerbergs Blogeintrag ging die Aktie am Mittwochnachmittag allerdings mit einem Plus von 0,7 Prozent aus dem Handel.

Die Pläne von Facebook sehen offenbar nicht vor, die Nutzung von Mitgliederdaten für Werbezwecke deutlich einzuschränken. Dies wiederum ist für die Gewinne des Unternehmen entscheidend. Dem Tech-Blog Recode sagte Zuckerberg, der bessere Schutz von Nutzerdaten werde "viele Millionen Dollar" kosten. Im Schlussquartal 2017 hatte Facebook einen Gewinn von mehr als vier Milliarden Dollar geschrieben.

Bundesjustizministerin Barley will Facebook vorladen

Der jüngste Datenskandal wird auch in Deutschland aufmerksam verfolgt. Bundesjustizministerin Katarina Barley verlangte von Facebook Erklärungen. "Das europäische Facebook-Management muss zu diesem Skandal umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Gruppe. Dafür werde sie Vertreter des Unternehmens ins Justizministerium laden. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.

Die CSU-Politikerin Dorothee Bär sagte, das wichtigste Kapital des Unternehmens seien nicht Werbeeinnahmen, sondern das Vertrauen seiner Nutzer. "Ich kann den Verantwortlichen nur raten, in Europa nicht einen weiteren Konflikt zu schüren", sagte die Staatsministerin für Digitalisierung dem Nachrichtenmagazin "Focus". Zwar gelte die Unschuldsvermutung. "Aber als Nutzerin und Politikerin bleibt bei mir ein mehr als schaler Beigeschmack. Das Unternehmen ist gerade dabei, seinen Ruf gänzlich zu verspielen."

rei/Reuters

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