Sonntag, 19. August 2018

Auch Whatsapp in der Kritik Kartellamt wirft Facebook Datenmissbrauch vor

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht sein Unternehmen in Europa verstärkt dem Vorwurf des Datenmissbrauchs ausgesetzt

Facebooks Umgang und Gebrauch von Nutzerdaten stößt europaweit immer mehr auf Widerstand. Das Bundeskartellamt wirft dem weltgrößten sozialen Netzwerk Datenmissbrauch vor. Französische Behörden stellen der Facebook-Tochter Whatsapp nun ein Ultimatum.

Das Bundeskartellamt wirft Facebook in einer ersten Einschätzung bei der Verwertung von Nutzer-Daten missbräuchliches Handeln vor. Das Unternehmen mache die Nutzung des sozialen Netzwerks davon abhängig, unbegrenzt jegliche Art von Nutzerdaten aus Drittquellen sammeln und mit dem Facebook-Konto zusammenführen zu dürfen, teilte die Behörde am Dienstag mit.

Nach der vorläufigen Bewertung des Amtes seien die Nutzungsbedingungen zumindest in diesem Punkt "nicht angemessen und verstießen zu Lasten der Nutzer gegen datenschutzrechtliche Wertungen."

Das Bundeskartellamt führt gegen Facebook ein Verwaltungsverfahren. Am Ende kann es zu einer Einstellung des Verfahrens, Verpflichtungszusagen des Unternehmens oder einer Untersagung durch die Kartellbehörde kommen. Eine abschließende Entscheidung in der Sache wird nicht vor Frühsommer 2018 erwartet.

Französische Behörde stellt Facebook-Tochter Whatsapp Ultimatum

Am Abend zuvor hatten französische Datenschützer die Facebook-Tochter und Whatsapp aufgefordert, beim Weitergeben von Nutzerdaten an Facebook gesetzliche Regelungen einzuhalten. Dafür gebe es nun eine Frist von einem Monat, hatte die Pariser Datenschutzaufsicht CNIL mitgeteilt.

Facebook hatte den Kurznachrichtendienst WhatsApp im Jahr 2014 für rund 22 Milliarden Dollar übernommen. Die Datenschützer bemängeln, Nutzer könnten sich gegen das Weiterleiten von Telefonnummern und anderer Daten zur Analyse von Nutzerverhalten nur per App-Abschaltung wehren. Es gebe rund 10 Millionen französische WhatsApp-Nutzer.

Falls das Unternehmen nicht die Vorgaben erfülle, könnte ein Sanktionsverfahren eingeleitet werden. CNIL hatte im Mai bereits gegen Facebook wegen Gesetzesverstößen beim Datenschutz eine Strafe in Höhe von 150.000 Euro verhängt.

rei/dpa/Reuters

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