Sonntag, 22. Juli 2018

Umgang mit der Datenmacht Es wird eng für Zuckerberg und Co

Mark Zuckerberg: In der Defensive - und am 10. April vor einem US-Ausschuss

Mark Zuckerberg ist ein gefragter Mann. Viele Regierungen und staatliche Institutionen möchten den Facebook-Chef derzeit persönlich befragen - zu dem Ablauf des Datenskandals, dem genauen Ausmaß und wie der Gründer des weltgrößten sozialen Netzwerks die Daten der rund zwei Milliarden Facebook-Mitglieder zu schützen gedenkt.

Wo es geht, schickt der Konzernmanager aber lieber seine zweite und dritte Garde ins Rennen, anstatt selbst Rede und Antwort zu stehen. So musste sich die neue Bundesjustizministerin Katharina Barley etwa mit Richard Allan, dem europäischen Cheflobbyisten des Konzerns, begnügen. Auf konkrete Zusagen ließ sich Allan nicht ein. Und schon gar nicht auf das Versprechen, die Algorithmen offenzulegen, nach denen sich entscheidet, welche Werbung welcher Nutzer zu sehen bekommt. Diese Erwartung hatte Barley im Vorfeld geschürt, musste dann aber eingestehen: "Es ist schwierig, konkrete Zusagen zu bekommen."

Auch Fragen eines britischen Parlamentsausschusses wird Zuckerberg nicht persönlich beantworten. Stattdessen schickt Facebook seinen Chief Technology Officer oder seinen Produktmanager. Mit der zweiten oder dritten Reihe will sich der Vorsitzende des Parlamentsausschuss für Digitales, Kultur, Media und Sport nicht zufriedengeben und besteht zumindest auf eine Videokonferenz mit Zuckerberg.

Darauf ließ die britische Facebook-Statthalterin am Dienstag die Abgeordneten wissen: Facebook erkenne "das öffentliche und parlamentarische Interesse an diesen Themen voll und ganz an und unterstützt Ihre Überzeugung, dass diese Fragen auf höchster Ebene des Unternehmens von denjenigen in einer autoritären Position angesprochen werden müssen". Deshalb habe "Herr Zuckerberg einen seiner Stellvertreter gebeten, sich dem Ausschuss persönlich zur Verfügung zu stellen".

Höflicher kann man einen Affront kaum formulieren.

Allerdings: Gerade im Krisenmodus muss ein Konzern seine Ressourcen einteilen. Und nach Schätzungen von Facebooks Europa-Staathalter Allan haben lediglich 3000 Europäer und damit 1 Prozent die vermeintlich unverdächtige App heruntergeladen - über die dann allerdings in Europa hundertausendfach Nutzerdaten abgefischt worden sein dürften.

Lesen Sie auch: Konzerne drohen Facebook mit Werbeboykott

Ob Zuckerberg mit dieser Drückeberger-Masche in den USA durchkommt, ist zweifelhaft. Hier steht der Konzern derzeit noch stärker unter Druck als in Europa. Die Generalstaatsanwälte von mittlerweile 37 US-Bundesstaaten verlangen Aufklärung darüber, welchen Anteil der Konzern an der illegalen Verwendung von mindestens 50 Millionen Nutzern durch Cambridge Analytica hatte.

Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde hat angekündigt, die Datenschutzregeln von Facebook zu überprüfen. Kommt sie zum Ergebnis, Facebook hat hier zu lax oder fahrlässig agiert, kann die FTC empfindliche Strafen verhängen.

Last not least hat der Justizausschuss des US-Senats Zuckerberg für den 10. April geladen. An diesem Tag sollen auch die Chefs des Google-Mutterkonzerns Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter erscheinen.

Mark Zuckerberg, Larry Page und Jack Dorsey zusammen vor einem Ausschuss? Damit stünde dann die halbe US-amerikanische Informations- und Tech-Elite quasi im "Zeugenstand", um in aller Öffentlichkeit Zeugnis über ihren Umgang mit Daten und indirekt auch ihr Geschäftsmodell abzulegen.

Unweigerlich drängt sich das Bild von den (einst) mächtigen US-Bank-Managern vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses auf , als am 13. Januar 2009 Lloyd Blankfein (Goldman Sachs), Jamie Dimon (JP Morgan Chase), John Mack (Morgan Stanley) und Brian Moynihan (Bank of America) mit erhobener rechter Hand und unter Eid erklärten, wahrheitsgemäß über die Ursachen der Finanzkrise auszusagen.

US-Bankenmanager 2009 im Zeugenstand (v.l.): Lloyd Blankfein, Jamie Dimon, John Mack und Brian Moynihan

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Zwischen der Finanzkrise, ihren Verursachern und dem jüngsten Datenskandal bei Facebook liegen Welten. Doch zeigt bereits die Vorladung der CEOs von Facebook und Co, wie sich die (Macht-)Gewichte in einer modernen, auf Daten und Informationen gestützten Gesellschaft verschoben haben und dies von der Politik auch genau so interpretiert wird.

Mark Zuckerberg wird also gut daran tun, am 10. April nicht seine zweite oder dritte Garde zu schicken und den US-Kongress nicht mit den üblichen, inhaltslosen Floskeln abzuspeisen.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH