Samstag, 21. Juli 2018

Cambridge-Analytica-Skandal Datenskandal bei Facebook weitet sich aus

Facebook: Daten von 87 Millionen Nutzern missbraucht

Der Datenskandal bei Facebook nimmt immer größere Dimensionen an. Möglicherweise seien persönliche Informationen von rund 87 Millionen Nutzern an die Politikberatungsfirma Cambridge Analytica zweckwidrig weitergegeben worden, räumte der Social-Media-Konzern ein. Bisher war von 50 Millionen betroffenen Mitgliedern des Netzwerks die Rede gewesen.

Das jüngste Eingeständnis dürfte die Kritik noch verschärfen, die den Konzern bereits dazu brachte, Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben. Bereits jetzt laufen Ermittlungen rund um den Globus. Bundesjustizministerin Katarina Barley erwägt eine Verschärfung der Regeln für soziale Netzwerke. "Wir werden überprüfen, ob die Möglichkeiten der neuen europäischen Datenschutzverordnung ausreichen", teilte die SPD-Politikerin mit.

Im Ringen um Schadensbegrenzung wird Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstag und Mittwoch erstmals dem Kongress - zunächst vor dem Justizausschuss des Senats und dann vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses - Rede und Antwort stehen. Politiker verlangen von dem 33-Jährigen, Licht in die Rolle Facebooks im Datenskandal zu bringen, bei dem Cambridge Analytica Informationen von Nutzern auf mutmaßlich unlautere Art einsetzte, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen.

Dabei könnte es auch um die Öffentlichkeitspolitik des Unternehmens aus Menlo Park gehen. Facebook Börsen-Chart zeigen wird vorgeworfen, nur scheibchenweise über die Ausmaße des Skandals zu informieren. Die Erklärung, dass 87 Millionen Nutzer - etwa die Einwohnerzahl Deutschlands - und damit 74 Prozent mehr als bisher bekannt betroffen sind, stand im unteren Viertel eines Firmenblogartikels.

Facebook bringt Wahrheit nur scheibchenweise ans Licht

Zuckerberg, der nach anfänglichem Schweigen eine für seine Verhältnisse ungewöhnliche Medienoffensive fährt, sah sich in dem seit fast drei Wochen währenden Datenskandal erstmals veranlasst, zu betonen, dass er weiterhin der Richtige an der Facebook-Spitze sei. Ihm seien keine Rücktrittsforderungen aus dem Aufsichtsrat bekannt.

Andere sollen auch nicht unter dem Skandal leiden: "Ich habe nicht vor, wegen der Fehler, die wir hier gemacht haben, jemanden den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen." Zuckerberg gründete Facebook vor 14 Jahren und kontrolliert die Mehrheit der Stimmrechte. Das dürfte es schwermachen, ihn von der Konzernspitze zu verdrängen.

Hunderttausende könnten in Deutschland betroffen sein

Mit möglicherweise fast 71 Millionen Nutzern kommt der Großteil der Betroffenen aus den USA. In Deutschland könnten bis zu 310.000 Nutzer Opfer von Datenmissbrauch geworden sein, sagte eine Facebook-Sprecherin. Betroffene würden vom Unternehmen informiert. Wie Facebook auf die höhere Zahl gekommen ist, die von Cambridge Analytica angezweifelt wird, gab die Firma nicht bekannt.

Unter anderen ermitteln in dem Fall die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 37 US-Bundesstaaten. Auf europäischer Ebene wollen sich kommenden Dienstag die Datenschutzbeauftragten aus den EU-Staaten ("Artikel-29-Gruppe") mit dem Thema befassen. Kommenden Monat tritt die neue europäische Datenschutzverordnung in Kraft, die die Weitergabe von Informationen der Nutzer von Facebook und anderen sozialen Netzwerken begrenzen sollen und höhere Strafen möglich machen.

Im Gegensatz zu anderen Technologiekonzernen wie Apple Börsen-Chart zeigen will Facebook Börsen-Chart zeigen die EU-Vorgaben nicht weltweit anwenden.

Werbekunden werden skeptisch

Facebook hat zwar den Datenschutz für seine Nutzer ausgeweitet und bekräftigt, den Zugriff anderer Firmen auf die Informationen von Mitgliedern zu beschränken. Gleichzeitig achtete der Konzern penibel darauf, kaum Veränderungen für Werbekunden vorzunehmen. Im vierten Quartal kamen 98 Prozent der Einnahmen des Unternehmens aus dem Werbegeschäft.

Bislang scheint Facebook die Werbemaschinerie am Laufen zu halten: Der Skandal habe keinen "bedeutenden Einfluss" auf den Verkauf von Anzeigen gehabt, sagte Zuckerberg. Allerdings sei es "nicht gut", wenn Menschen mit dem Unternehmen unzufrieden seien. An der Börse sind die Folgen deutlich sichtbar: Seit Bekanntwerden des Skandals Mitte März ist die Facebook-Aktie mehr als 16 Prozent eingebrochen. Am Donnerstag notierten die Titel vorbörslich um rund zwei Prozent im Plus.

la/reuters

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