Samstag, 23. Juni 2018

Nichts wie weg von FB Scheidung von Facebook - warum die Whatsapp-Gründer 1,3 Milliarden Dollar liegen ließen

Abschied von Facebook: Die Whatsapp-Gründer Brian Acton (links) und Jan Koum (recht) hatten es eilig

Rund 22 Milliarden Dollar hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Jahr 2014 investiert, um den Messenger-Dienst Whatsapp zu kaufen. Die Whatsapp-Gründer Jan Koum und Brian Acton wurden damit zu Milliardären - mit dem Willen, Whatsapp als eigenständiges Unternehmen innerhalb des Facebook-Imperiums weiterzuentwickeln.

Doch nicht einmal fünf Jahre und viele Auseinandersetzungen später gehen Koum, Acton und Zuckerberg wieder getrennte Wege: Die beiden Whatsapp-Gründer haben es bei ihrer Flucht von Facebook sogar so eilig, dass sie 1,3 Milliarden Dollar zurücklassen. Nach einem Bericht des Wall Street Journal (kostenpflichtig) hätte Koum und Acton diese Summe in Form von dann fälligen Aktienoptionen zugestanden - wenn sie nur ein paar Monate länger bei Facebook ausgehalten und ihre Verträge bis November 2018 erfüllt hätten.

Doch so lange wollten die Whatsapp-Gründer mit ihrem Abschied nicht mehr warten. Koum wird im August Facebook verlassen. Acton hatte bereits im vergangenen September seinen Rücktritt eingereicht. Finanziell werden die beiden Milliardäre den Verlust der Aktienoptionen verkraften - doch der teure Abschied der beiden Gründer deutet an, wie groß die Meinungsverschiedenheiten mit Facebook-Chef Zuckerberg zuletzt gewesen sind.

Laut Wall Street Journal ging es bei dem Konflikt im Kern immer wieder um dieselben Fragen: Wie schützt man die privaten Daten der Nutzer, und auf welche Weise lassen sich bei Whatsapp Erlöse durch eingespielte Werbung generieren. Er habe verhindern wollen, dass aus Whatsapp lediglich eine weitere Verteilmaschine von Werbeanzeigen werde, wird Acton vom WSJ zitiert - dem entgegen steht das Bestreben von Facebook-Chef Zuckerberg und COO Sheryl Sandberg, die milliardenteure Übernahme von Whatsapp mittelfristig durch Werbeerlöse zu refinanzieren.

Whatsapp ist Facebooks bislang teuerste Übernahme. Nun haben sich die Gründer von FB verabschiedet

Koum hatte bereits bei der Übernahme von Whatsapp betont, dass man eigenständig bleiben werde. Whatsapp sei nicht auf Nutzerdaten aus und werde sich nicht durch Werbung finanzieren, hieß es damals. Doch im Facebook-Verwaltungsrat sei es den beiden immer schwerer gefallen, diese Haltung zu verteidigen. Zuckerberg und Sandberg hatten in den vergangenen Jahren großen Erfolg damit, den Facebook-Nutzern so genannte personalisierte Werbung einzuspielen. Damit sei auch der Druck auf Whatsapp gewachsen.

Zuckerberg hatte den beiden Gründern zwar eine weitgehende Autonomie versprochen - doch mit jeder gegenseitigen Enttäuschung sei die Frustration gewachsen, so das Journal. Offenbar seien Koum und Acton zu der Einsicht gelangt, mit ihren Ideen zur Zukunft von Whatsapp auf verlorenem Posten zu stehen. Der Skandal um den Missbrauch privater Daten in Zusammenhang mit der Firma Cambridge Analytica brachte nicht nur Facebook in Erklärungsnot, sondern vertiefte auch den Konflikt mit den Whatsapp-Gründern: Acton, der bereits im Herbst 2017 Facebook verlassen hatte, kündigte wegen des Datenskandals an, seinen Facebook-Account zu löschen. Ein Abschied im Guten sieht anders aus.

Koum habe noch versucht, zu schlichten und die Gemüter im Facebook-Hauptquartier zu beruhigen, heißt es in dem Bericht des WSJ. Doch nun folgt auch er seinem Mitgründer Acton und wählt den raschen Abschied - offiziell räumt er im August seinen Posten. Acton habe durch seinen Exit im Vorjahr Aktienoptionen im Wert von rund 900 Millionen Dollar in den Wind geschrieben, bei Koum sind es dem Bericht zufolge rund 400 Millionen Dollar.

Für manche Menschen mag ein Verlust von 1,3 Milliarden Dollar schmerzhaft sein. Aber die Vorstellung, noch länger bei Facebook zu bleiben, war für Acton und Koum offenbar noch schmerzhafter.

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