Mittwoch, 20. Februar 2019

McAfee "Mehr Schaden durch Cyberkriminalität als durch Drogenhandel"

Unternehmen erleiden weltweit einen finanziellen Schaden durch Cyber-Kriminalität in Höhe von ca. 375 bis 575 Milliarden US Dollar jährlich

2. Teil: Einzelhändler im Visier

mmo: Ein Teil des Schadens entsteht nicht indirekt, sondern indem Geld schlicht gestohlen wird, im Visier haben Kriminelle vor allem Einzelhändler.

Bauer: Einzelhändler und Handelsplattformen sind im Besitz von Kunden- und Kreditkartendaten, die eine wesentliche Geldquelle für Internetkriminelle sind. Bei der zweitgrößten US-Einzelhandelskette "Target" konnten Hacker im vergangenen Jahr rund 40 Millionen Kreditkartendatennummern inklusive Sicherheitscodes und Ablaufdaten erbeuten und mehr als 200 Millionen US-Dollar von den Konten der Kunden abräumen. Der finanzielle Schaden ist immens, ganz zu schweigen vom Vertrauensverlust.

Auch Kreditinstitute sind Ziel von Angriffen: Vor eineinhalb Jahren sind zwei Banken im Nahen Osten gehackt worden und haben bei zwei Attacken innerhalb weniger Stunden 45 Millionen US-Dollar verloren. Immerhin sind mittlerweile einige mutmaßliche Täter des Hacker-Rings in New York festgenommen worden. Auch die Cyberkriminalität ist eben nicht völlig risikolos.

mmo: Wie verändert sich die Cyberkriminalität, außer dass die Attacken immer zahlreicher werden?

Bauer: Früher haben Kriminelle vor allem versucht, Computernetzwerke lahmzulegen und den Betreiber zu erpressen. Heute geht es mehr um Datenmanipulation und Datenklau. Es werden vornehmlich Bankkonten leergeräumt und Daten gestohlen, mit denen man virtuelle Identitäten fälschen kann, um zum Beispiel auf Kosten des Geschädigten im Internet einzukaufen. Es gibt einen Markt, auf dem solche gestohlenen Daten verkauft werden. Je eher Daten dazu taugen, jemanden zu schädigen, desto höher ist ihr Verkaufswert. Email-Adressen und Bankkontodaten sind bereits nützliche Informationen. Kommen aber noch Passwort oder Pin hinzu, steigt der Marktwert der Information um ein Vielfaches. Die Preise hängen auch von weiteren Faktoren ab, etwa wie frisch eine gestohlene Information ist und wie viel Datenmaterial insgesamt gerade auf dem Schwarzmarkt angeboten wird.

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