Montag, 25. März 2019

O2 und E-Plus Das Pokerspiel des E-Plus-Chefs

O2 und E-Plus: Der neue Telekomriese hat mehr Kunden als die Deutsche Telekom. E-Plus-Chef Thorsten Dirks will den Verbund gerne führen - seine Preisbrecher-Aktionen stoßen jedoch auf Kritik

Telefónica will in Deutschland einen neuen Telekomriesen aus O2 und E-Plus schmieden - und sucht einen Chef für den Großverbund. E-Plus-Chef Dirks bewirbt sich aggressiv auf den neuen Job. Doch die Spanier sind ob der gewagten Manöver zusehends irritiert.

Thorsten Dirks, Vorstandsvorsitzender und ehemaliger Berufssoldat, pflegt auch bei E-Plus gerne einen militärischen Führungsstil. So richtete der Unternehmens-Chef in Düsseldorf einen "war room" ein. Dort mussten die Führungskräfte im vergangenen Jahr zum Rapport, wenn sie Gefahr liefen, die Vorgaben für das Geschäftsjahr zu verfehlen.

Dirks Ziel: Sicher zu stellen, dass E-Plus vor der geplanten Übernahme durch O2 besser da steht als der Rivale; und sich damit gleich als CEO des künftigen Großverbunds empfehlen.

Das Manöver wäre beinahe aufgegangen. Dirks meldete im Januar einen kräftigen Kundenzuwachs auf nun 25 Millionen Klienten für 2013, sein ärgster Konkurrent auf den Spitzenposten hatte sich zudem vorzeitig aus dem Rennen verabschiedet.

O2-Chef René Schuster kam mit seinem Abgang im Januar einer sich abzeichnenden Niederlage zuvor. Der Mutterkonzern Telefónica hatte das Vertrauen in ihn verloren, seit Schuster nur noch bescheidene Zahlen ablieferte. Von seinen engsten Team-Kollegen hatte sich Schuster schon im November verabschiedet. Doch auch Dirks wird wohl nicht Chef werden.

Dirks Billig-Offensiven sorgen für Irritationen bei Telefonica

O2 und E-Plus gemeinsam, das sind über 40 Millionen Kunden und damit mehr als beim Zweitplatzierten Vodafone Börsen-Chart zeigen und bei Marktführer Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen unter Vertrag sind. 3,7 Milliarden Euro in bar war den Spaniern diese Übernahme wert, die E-Plus-Mutter KPN hält künftig zudem 24,9 Prozent der Aktien am neuen Unternehmen. Dirks sitzt im Board des niederländischen KPN-Konzerns - und galt im Wettstreit mit Schuster lange Zeit selbst in Madrid als Favorit für den künftigen Vorstandsposten in Deutschland.

Doch die Spanier sind inzwischen über das angriffslustige Gebaren des E-Plus-Manns zunehmend irritiert, seit dieser immer aggressivere Billig-Offensiven vorantreibt - die den Geschäftsinteressen von Telefónica zuwiderlaufen. Vor allem Europa-Chefin Eva Castillo scheint nicht von Dirks überzeugt. Schon werden in Madrid Kandidaten aus den eigenen Reihen in Augenschein genommen.

Denn der Wachstumsschub bei E-Plus geht auf Kosten der Profitabilität. 963 Millionen Euro weniger nahm Dirks 2013 ein als noch im Jahr davor; die Marge sank auf 30 Prozent. Und E-Plus hat seinen Kunden in Aussicht gestellt, demnächst mit besonders viel Tempo mobil durchs Internet surfen zu können, egal, wie teuer der bereits gebuchte Tarif ist.

Dammbruch für die gesamte Branche befürchtet

Bei Telefónica befürchtet man nun einen Dammbruch für die gesamte Branche. Irritiert ist man auch über einen neuen Vermarktungsvertrag, den Dirks mit dem Großkunden United Internet Börsen-Chart zeigen erst im Dezember abschloss - und der weiter die Preise in der Branche dezimiert.

Dabei wird ausgerechnet der neue Mobilfunker als einziger kein flächendeckendes Festnetz im Angebot haben, Telefónica wird weitere Zukäufe erwägen müssen. Schließlich punkten Telekom und Vodafone verstärkt mit kombinierten Angeboten aus Telefonie, Internet und Online-TV.

Zudem stehen in den kommenden Jahren hohe Investitionen in die Modernisierung der Netze an, Telefónica selbst ist hoch verschuldet und leidet unter der Konjunkturkrise auf dem Heimatmarkt. Castillo liebäugelt daher mit einen Manager, der mehr kann, als den Preisbrecher in Deutschland nach Dirks Manier zu spielen.

Ein O2-Sprecher sagte, über die Personalie werde der Aufsichtsrat entscheiden. E-Plus wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Ein klein wenig Hoffnung darf sich der selbstbewusste E-Plus-Lenker trotzdem machen, für den Fall, dass die Suche nach einem anderen Chef ergebnislos verläuft. Einen Fürsprecher hat Dirks in Madrid noch, den einflussreichen Chief Operating Officer José María Álvarez-Pallete. Am besten übt sich Dirks jetzt eine Weile in Friedfertigkeit.

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