Samstag, 17. November 2018

Gute Vorsätze, die über Ihre Zukunft entscheiden So werden Sie 2018 zum digitalen Gewinner

Digitalisierung: Nutzen Sie die Chancen zu ihrem Vorteil, verharren Sie nicht bei den digital Abgehängten
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Digitalisierung: Nutzen Sie die Chancen zu ihrem Vorteil, verharren Sie nicht bei den digital Abgehängten

Ein tiefer Riss geht quer durch die Gesellschaft. Ein Riss, der sich erst in den vergangenen fünf Jahren aufgetan hat. Er verläuft nicht zwischen Jung und Alt. Nicht zwischen Reich und Arm. Und auch nicht zwischen Land- und Stadtbevölkerung. Es ist der Riss zwischen digitalen Gewinnern und digital Abgehängten.

Digitale Gewinner sind Menschen und Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung kompromisslos zu ihrem Vorteil nutzen. Die bei Begriffen wie "Digitaler Disruption" keine Angst, sondern Aufbruchstimmung verspüren. Digital Abgehängte verharren dagegen in der analogen Welt. Dieser Riss wird sich 2018 dramatisch vergrößern.

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
    www.jens-uwe-meyer.de

Am offensichtlichsten wird diese Spaltung, wenn Sie bei Ihrem Steuerberater sitzen und erfahren, dass Sie alle Buchungen künftig mit Liveauswertung per App erhalten. Gerade freuen Sie sich, dass Sie nun endlich den ganzen Papierkram los sind. Doch dann: Schluss mit lustig. Das Finanzamt akzeptiert Handwerkerrechnungen nur auf Papier und im Original.

Die digital Abgehängten schlagen zurück. Dummerweise in Form der öffentlichen Verwaltung. Smartphone- und Smartwatch-Nutzer auf der einen, Papierschieber auf der anderen Seite. Kunden, die ihr gesamtes Leben über das Smartphone organisieren auf der einen - Unternehmen und Behörden mit Aktenstapeln und schwer erreichbaren Callcentern auf der anderen Seite.

Die Kunden sind weiter als die Unternehmen

Zwei Studien belegen, wie sich beiden Seiten auseinander entwickelt haben. Für die erste, die wir gemeinsam mit der ISPO Munich durchgeführt haben, wurden 615 sogenannte "Pro-sumer" befragt, also Konsumenten, die besonders digitalaffin sind und ein hohes Interesse daran haben, Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen mitzugestalten. Diese Pro-sumer sind in ihrem Lebensstil dort, wo die Mehrheit der Konsumenten erst in zwei bis drei Jahren sein wird.

Und nicht nur das: Pro-sumer, so das Ergebnis der Studie, sind auch viel weiter als die meisten Unternehmen. Zwei Drittel von ihnen wünschen sich Sensoren, die ihre Körperfunktionen überwachen. Sie haben kein Problem damit, diese Daten an Cloud-Dienste und sogenannte "Digitale Ökosysteme" weiterzugeben. Dass ein Fitnesscenter nicht mit der Gesundheits-App vernetzt ist, ist aus ihrer Sicht vollkommen unverständlich.

Ein Fitnessgerät ohne digitale Schnittstelle? Wertlos. Wie selbstverständlich nutzt ein Teil der Befragten digitale Fitnesscoaches. Sie lassen sich lieber von einem Algorithmus als von einem Personal Coach aus Fleisch und Blut beraten. Abstrakt klingende Begriffe wie "Internet der Dinge" sind für sie bereits Realität.

Wie weit die meisten Firmen dieser Lebenswelt hinterherhinken, zeigt eine Studie der HWZ - Hochschule für Wirtschaft Zürich, die 87 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen als "digitale Dinosaurier" bezeichnet. Für die Studie wurden 1300 Unternehmen untersucht. 54 Prozent haben keine digitale Strategie. Auf die Frage, ob sie in den kommenden zwei Jahren planen, eine solche einzuführen, antworteten 71 Prozent mit nein.

Digitalisierung? Wozu? Diese Unternehmen werden 2018 weiter abgehängt werden. Denn ihre Kunden entwickeln sich in digitaler Hinsicht viel schneller sie.

Es kommt schlimmer als Sie denken

Es ist einfach, die Marktforschung heranzuziehen, um auf Basis "methodisch korrekter" Ergebnisse zu sagen: "So schlimm wird das alles gar nicht, lass uns mal abwarten". Im Internet finden digitale Dinosaurier überall Beruhigungspillen. "Können Sie sich vorstellen, sich bei Amazon zu versichern?", fragte das Institut Global Data Kunden in Großbritannien. 18 Prozent antworten mit ja.

Wie beruhigend: 82 Prozent können sich das also nicht vorstellen. In der Stadt Mayen in Rheinland-Pfalz wurden 400 Kunden befragt, ob sie aufgrund der großen E-Commerce Plattformen seltener in der Stadt einkaufen gehen. Etwa ein Drittel der Befragten gab an, seltener in die Stadt zu kommen. Nur ein Drittel? Beruhigend. Oder doch nicht?

Wenn Sie sich beruhigen lassen, sitzen Sie möglicherweise in der Hertie-Falle: Ende der 90er Jahre ergab die Onlinestudie von ARD und ZDF , dass nur 6,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland Onlinedienste nutzen. Hinzu kam, dass insbesondere Frauen dem Medium Internet kaum Bedeutung schenkten. "Die Onlinewelt ist (noch) männlich", hieß es in der Studie. Onlineshopping? 14 Prozent. Eine Nische.

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