Dienstag, 19. März 2019

Fehlgeschlagene Kickstarter-Projekte Ein Mahnmal für die Schwarm-Gescheiterten

Totalausfall beim Crowdsourcing: Fünf Kickstarter-Kampagnen, die komplett daneben gingen
Kickstarter

Mit der Crowdfunding-Seite Kickstarter haben Kreative und Technikbastler teils Millionen Dollar an Startkapital eingesammelt. Eine Website dreht nun den Spieß um: Sie zeigt tausende Kickstarter-Projekte, die komplett schiefgingen. Doch genau daraus lässt sich vieles lernen.

Hamburg - Für Spike Lee war es eher ein Testballon: Etwas mehr als 1,4 Millionen Dollar sammelte der US-Regisseur im vergangenen Jahr für seinen nächsten Film online ein - durch eine Kampagne auf der Website Kickstarter.

Seit 2009 ist die Crowdfunding-Seite online, mittlerweile ist die größte Adresse für die sogenannte Schwarmfinanzierung. Bei Kreativen und privaten Technikbastlern gilt sie als Alternative zu klassischeren Finanzierungsformen wie etwa Bankkrediten. Kickstarter selbst bewirbt sein Modell fleißig mit eigenen Erfolgsgeschichten: So haben die Hersteller der Smartwatch Pebble via Schwarmfinanzierung auf der Seite 10,2 Millionen Dollar an Startkapital eingesackt.

Etwa 40 Prozent aller beworbenen Projekte verlaufen erfolgreich, erklären die Website-Macher. Der Rest scheitert meist an überzogenen Erwartungen für das Spenden-Minimum. Und dann gibt es auch noch die spektakulären Misserfolge, deren Projekte überhaupt keine Spender anlocken.

Ihnen setzt die Website Kickended ein Online-Mahnmal. Die Website präsentiert ausschließlich Projekte, die auf Kickstarter exakt null Dollar einsammelten. Rund 9000 solcher Fälle hat Kickended in seinem Archiv. Er wolle den Projekten ein zweites Leben geben, beschreibt Kickended-Betreiber Silvio Lorusso seine Motivation - und so die Reinheit ihrer abstrakten Ideen abseits des Finanzierungsdrucks bewahren.

Es ist eine poetische Umschreibung für einen virtuellen Pranger. Denn viele der von Lorusso zusammengeklaubten Projekte klingen unrealistisch, sind kaum durchdacht oder schlicht undurchführbar. Wir haben fünf besonders einleuchtende Beispiele ausgewählt, wie man es bei Kickstarter besser nicht machen sollte.

Was die Kickstarter-Flops eint

Dabei ist das Prinzip der Seite relativ simpel: Kreative beschreiben auf Kickstarter ein Projekt, für das sie Geldgeber suchen. Damit starten sie dann eine auf einige Wochen begrenzte Spendenkampagne. Spendenwillige können in dieser Zeit Geld für das Projekt an Kickstarter zahlen. Allerdings müssen die Projektausschreiber auch eine bestimmte Mindest-Spendenhöhe festlegen, ab der sie das Projekt dann tatsächlich starten.

Erfolgreiche Kickstarter-Spendeneintreiber erklären ihr Vorhaben meist ziemlich detailliert - und bieten Geldgebern je nach Höhe der gezahlten Summe Sonderrechte an. Die Pebble-Hersteller köderten Interessenten mit vergünstigten Uhrenlieferungen. Ryan Grepper, der Erfinder einer tragbaren Party-Kühlbox, versprach seinen Kickstarter-Geldgebern nicht nur Gratis T-Shirts. Ab 2000 Dollar Spende bot er sich sogar als Gratis-Bartender bei nächsten Feier seiner Investoren an. So viel Einsatz honorierten die Kickstarter-Fans: Sie gaben dem Mann insgesamt 13,2 Millionen Dollar. Der Marktstart seiner "Coolest Coolbox" dürfte damit ziemlich sicher sein.

Den von Lorusso aufgelisteten Flops fehlt solch präzise, eingängige und vermarktbare Ideen. Oft sind die Fotos der Projekte schlecht bis völlig nichtssagend, die Beschreibungen fallen eher vage als präzise aus. Auch eine genauere Definition der Zielgruppe ist kaum vorhanden. Kein Wunder, dass dafür keiner Geld spenden wollte.

Doch aus den Misserfolgen lässt sich jedoch eines lernen: Und zwar, wie man seine Ideen besser nicht verkauft. Immerhin ist es eine vergleichsweise kostengünstige Art des Scheiterns - denn für das Präsentieren von Ideen verlangt Kickstarter nichts.

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