Mittwoch, 17. Oktober 2018

Auch Mittelfrist-Ziele in Frage gestellt Ceconomy schockt mit Gewinnwarnung - Aktie bricht ein

Ceconomy: Pieter allein zu Haus
Fritz Beck für manager magazin

Die Elektronikhandelsholding Ceconomy schraubt ihre Ertragsprognose herunter und erwartet nun weniger Gewinn als noch im vergangenen Geschäftsjahr. Vor allem das Deutschland-Geschäft rund um Media Markt und Saturn habe sich schwächer als erwartet entwickelt.

"Wir hatten im Juli und August enttäuschende Umsätze sowohl bei Media Markt als auch bei Saturn", sagte Ceconomy-Chef Pieter Haas der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir sind deshalb zum Schluss gekommen, dass wir unsere Guidance anpassen müssen."

An der Börse kamen die Nachrichten sehr schlecht an: Die Aktien des Dax-Konzerns brachen um 9 Prozent auf 6,10 Euro. Das ist der niedrigste Stand seit der Abspaltung von Metro.

Ceconomy erwarte nun für das Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) ein Ebitda zwischen 680 und 710 Millionen Euro nach 714 Millionen Euro im Vorjahr, teilte der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn am späten Dienstagabend mit. Der operative Gewinn (Ebit) werde zwischen 460 und 490 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr standen hier noch 494 Millionen Euro in der Bilanz.

Finanzchef Mark Frese wurde am Mittwochmorgen in einer Analysten-Konferenz noch deutlicher: Das Unternehmen könnte mit dem Fahrplan zum Erreichen seiner Mittelfrist-Ziele in Verzug geraten. Ceconomy habe für das Erreichen der Ziele ursprünglich einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren angegeben - dieser Zeitplan erscheine nun "sehr ehrgeizig", sagte Frese. "Wir haben die Herausforderungen unterschätzt". Und: "Wir haben keinen Zweifel, dass wir erfolgreich sein werden. Aber wir müssen prüfen, ob wir mehr Zeit brauchen, um das zu erreichen."

Ceconomy hatte unter anderem angekündigt, die operative Ebitda-Marge mittelfristig in Richtung von fünf Prozent zu steigern. Im Geschäftsjahr 2016/17 hatte sie bei 3,2 Prozent gelegen.

An der Umsatzprognose hält der Vorstand fest

Konzernchef Haas hielt im Reuters-Gespräch indes an der Prognose eines leicht steigenden Umsatzes im laufenden Jahr sowie einer leichten Verbesserung des Nettobetriebsvermögens fest. Der Marktkonsens der Analysten liege zudem bei rund 500 Millionen Euro beim operativen Ertrag (Ebit), sagte Haas: "Das können wir noch immer erreichen."

Die Senkung der Prognose liege vor allem am Deutschland-Geschäft im vierten Quartal. Das ungewöhnlich heiße Wetter im Juli und August habe zu einem "erheblichem Umsatz- und Ergebnisdruck" geführt. Haas hatte bereits im August beklagt, bei der Hitze dächten die Kunden nicht ans Einkaufen.


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Die Prognose-Senkung dürfte aber den Druck auf ihn erhöhen. Großaktionär Haniel hatte zuletzt die Kursentwicklung der Ceconomy-Aktie kritisiert. "Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut", hatte Haniel-Chef Stephan Gemkow Reuters gesagt.

Mehr Service, mehr Vernetzung, weniger Kosten

Ceconomy-Chef Haas versucht, das operative Geschäft und damit den Aktienkurs in Schwung zu bringen. Er setzt auf eine bessere Verschränkung des Online-Geschäfts mit den Filialen, auch das Service-Geschäft will er ankurbeln. Zudem will er die Kosten drücken. Doch das reichte nicht aus, um seine Gewinnziele zu erreichen. Bereits der Start ins Geschäftsjahr mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte Ceconomy Rückschläge gebracht - vor allem ein erbitterter Preiskampf hatte damals den Gewinn verhagelt. Haas hatte versucht, dies aufzuholen.

Nun machte Ceconomy das schwächelnde Deutschland-Geschäft im Sommer einen Strich durch die Rechnung. "Wir haben unsere strategischen Initiativen in Deutschland nicht schnell genug umgesetzt", räumte Haas zudem ein. "Das bedeutet, dass wir den Fokus noch stärker auf Media Markt und Saturn legen werden", betonte er: "Das ändert aber nicht unsere strategische Ausrichtung und unsere Mittelfrist-Ziele."

Auch der Online-Modehändler Zalando hatte erst am Dienstag erneut seine Prognose gekürzt und die auch auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen und den langen Sommer zurückgeführt.

rei/Reuters

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