Montag, 10. Dezember 2018

Millionen Mining-Geräte für Bitcoin ausgemustert Bitcoin hinterlässt Megatonnen an Elektroschrott

Mining-Geräte für Kryptowährungen

Die gute Nachricht zuerst: Der Krypto-Crash hat im November erstmals dafür gesorgt, dass der Energieverbrauch der Produktion digitaler Spekulationsobjekte wie Bitcoin insgesamt schrumpfte. Um 11 Prozent weniger Strom sei für Bitcoin draufgegangen, weil 600.000 bis 800.000 nun unprofitable Mining-Computer abgeschaltet wurden, berichtet der "Digiconomist" Alex de Vries in seinem monatlichen Nachhaltigkeitsbericht.

Auf rund 600 Millionen Kilowattstunden beziffert er die digitale Diät, die vor allem zu Lasten chinesischer Kohlestromproduzenten ging. Dass Kryptowährungen allein das Weltklima gefährden, wie ein Artikel im Wissenschaftsmagazin "Nature Climate Change" Ende Oktober darlegte, wurde durch die Preiskorrektur im November zumindest etwas unwahrscheinlicher.

"Doch das ist nicht viel mehr als ein Pyrrhussieg", urteilt de Vries. "Da diese Maschinen für einen einzigen Zweck konstruiert wurden, heißt ihre nächste Station Elektroschrott."


So funktionieren Kryptowährungen - Erklärvideo von manager-magazin.de und Mynd


Pünktlich zum Crash kam eine neue Generation von Mining-Geräten auf den Markt. Der chinesische Hersteller Bitmain, der zugleich auch den Großteil der Mining-Pools betreibt, stellte sein Modell Antminer S15 vor - doppelt so leistungsfähig, gemessen an der Hashrate pro Sekunde, wie der Vorgänger Antminer S9, und um ein gutes Drittel energieeffizienter.

Die bisherige Produktion der neuen Geräte wurde laut Berichten umgehend ausverkauft, vorzugsweise an Bitmain-Miner in der westchinesischen Provinz Xinjiang, wo Kohlestrom besonders günstig ist. So rüstet Bitmain auch für die Schlacht der Bitcoin-Abspaltung Bitcoin Cash gegen die neue Bitcoin-Cash-Abspaltung Bitcoin Cash SV.

Auf einen Schlag sind die Besitzer der alten Antminer nicht mehr konkurrenzfähig. Der S9 wurde erst seit Mitte 2016 vermarktet (als er den Antminer S7 von 2015 verdrängte). Mindestens 4,2 Millionen dieser Maschinen hat Bitmain laut Börsenprospekten in den vergangenen zwei Jahren verkauft - die laut de Vries demnächst mehrheitlich auf den Deponien der Welt landen werden.

Für den Nachhaltigkeitsbericht liefert das Stoff für die nächste Hochrechnung: Ein Gerät wiege etwa 4,5 Kilogramm. Zusammen mit dem einen Drittel des nicht von Bitmain beherrschten Marktes dürften Mining-Geräte mit einem Gesamtgewicht von rund 28.000 Tonnen in Kürze aussortiert werden. Und weil man damit rechnen müsse, dass die Rechenleistung unabhängig vom Preis der Kryptowährungen weiter steige, könne "Bitcoin alleine im Lauf eines halben Jahrhunderts locker für eine Million Tonnen Elektroschrott sorgen".

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