Freitag, 22. März 2019

Flash-Crash und Milliardenverluste an der Börse Apple-Chef Cook schockt die Märkte

Die Begeisterung für teurere iPhones lässt in China offenbar nach: Apple-Chef Tim Cook in einem Shop in Shanghai

Apple hat die Umsatzerwartungen für das wichtige Weihnachtsgeschäft kassiert. Konzernchef Tim Cook macht dafür den US-chinesischen Handelsstreit mit verantwortlich. Doch die Probleme sind auch hausgemacht. Womöglich hat Apple trotz Warnzeichen seine abgehobene Preispolitik in China schlicht überreizt.

Der Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften schlägt auf einen amerikanischen Vorzeigekonzern zurück: Wegen schwacher Geschäfte in China hat Apple erstmals seit der Einführung des iPhones vor mehr als zehn Jahren seine Umsatzprognose verfehlt. Die Aktien Börsen-Chart zeigen des Konzerns brachen kurz nach Handelsstart am Donnerstag um über 9 Prozent ein, damit lösten sich etwa 50 Milliarden Dollar Börsenwert in Luft auf. Weltweit sackten die Börsenkurse ab, da Apples Eingeständnis die Sorge vor einer globalen Konjunkturabkühlung schürte.

Auch auf dem Devisenmarkt hat die Umsatzwarnung deutliche Spuren hinterlassen. Der US-Dollar verlor vor allem im Vergleich zum japanischen Yen, aber auch zum Euro an Wert - zwischenzeitlich hatte es dabei heftige Ausschläge gegeben. Händler sprachen von einem sogenannten "Flash-Crash", bei dem Kursverluste noch durch automatische Handelssysteme verstärkt werden.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres (zum 29. Dezember) rechnet der Konzern nur noch mit einem Umsatz von 84 Milliarden Dollar statt der ursprünglich erwarteten 89 bis 93 Milliarden. "Wir haben einige Herausforderungen in den Schwellenländern erwartet, aber wir haben die Stärke der wirtschaftlichen Abwärtsbewegung unterschätzt, vor allem in China", schrieb Konzernchef Tim Cook am Mittwochabend in einem Brief an Investoren. Etwa ein Fünftel seines Umsatz erzielte das kalifornische Unternehmen zuletzt in der Volksrepublik.

Cook spekuliert über Protestverhalten von Käufern

Dass es bei Apple nicht ganz rund läuft, hatten Analysten schon vermutet, nachdem einige Zulieferer des einst wertvollsten börsennotierten Unternehmens im November ihre Prognosen senkten. Auch Apple-Chef Cook hatte zu diesem Zeitpunkt schon vor einem langsameren Wachstum in Märkten wie Brasilien, Indien und Russland gewarnt, China aber explizit nicht zu dieser Kategorie gezählt.

Doch zuletzt wurde immer deutlicher, dass der Handelsstreit größere Spuren in der chinesischen Wirtschaft hinterlässt. Die Industrieproduktion schrumpfte im Dezember erstmals seit zwei Jahren und Chinas Zentralbank warnte am Mittwoch, dass das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal unter 6,5 Prozent gefallen sein könnte.

Im Video: Warum Apple seine Umsatzprognose verfehlt

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Bild: REUTERS/NYSE

In dem Handelsstreit, in dem sich die USA und China geradezu mit Zöllen für verschiedene Güter überboten, seien Apple-Produkte nicht das Ziel der chinesischen Regierung gewesen, sagte Cook dem TV-Sender CNBC. Vielleicht hätten sich einige chinesische Konsumenten aber bewusst gegen den Kauf eines Produktes eines US-Unternehmens entschieden. "Das viel größere Thema ist jedoch die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft und die Handelsspannungen, die das verstärken", sagte Cook.

Apple erhält in China immer mehr Konkurrenz von einheimischen Smartphone-Herstellern, etwa Huawei. Der Konzern, der neben Handys auch Netzwerkausrüstung anbietet, steht in den USA unter Druck. Wegen des Verdachts, die Handys und Netzwerke könnten eine Hintertür für Spionage enthalten, haben die USA den Konzern von Regierungsaufträgen zum Aufbau von Telekomnetzen ausgeschlossen.

Apple zahlt jetzt in China auch für seine abgehobene Preisstrategie

Apples Probleme in China sind nach Ansicht von Experten aber teilweise hausgemacht. Trotz der Anzeichen, dass sich die chinesische Konjunktur abschwächt, hielt der Konzern an seiner Preisstrategie fest und setzte vor allem auf teure Geräte. Der starke Dollar trieb die Preise für die Smartphones und Tablets des US-Konzerns in China noch weiter in die Höhe.

Schon länger kursieren Spekulationen, dass sich Apples neue iPhone-Generationen wie XR, XS und XS Max mit Preisen von bis zu 1650 Dollar schlechter verkaufen.

Gewinnwarnungen von Apple-Zulieferern wie dem britischen Chiphersteller IQE oder Lumentum hatten Ende November vergangenen Jahres diese Befürchtungen genährt."Die Frage für die Investoren wird sein, inwieweit Apples aggressive Preisstrategie die Situation noch verschlimmert hat und was das für die längerfristige Preismacht des Konzerns bedeutet", sagte James Cordwell, Analyst bei Atlantic Equities.

Hal Eddins, Chefvolkswirt beim Apple-Investor Capital Investment Counsel, hält den Verweis auf den Handelsstreit sogar für eine Spitze Cooks gegen US-Präsident Donald Trump. "Er nutzt die Handelsturbulenzen vielleicht auch nur als Ausrede für manche Fehler, die Apple im vergangenen Jahr selbst gemacht hat."

Im August hatte Apple als erstes US-Unternehmen die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert geknackt. Doch seitdem ließ die Aktie stetig Federn. Apple wurde in Sachen Börsenwert erst vom Software-Riesen Microsoft entthront und inzwischen auch vom Online-Händler Amazon überholt.

rei mit Reuters

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