Dienstag, 20. November 2018

Denkwürdiger Auftritt in Brüssel "Das ist Überwachung" - Apple-Chef greift Facebook und Google frontal an

Apple-Chef Tim Cook gab in Brüssel nicht nur den Datenschützer

Tim Cook auf Charming-Tour in Brüssel - der Apple-Chef hält ein flammendes Plädoyer für den Datenschutz und greift die Technologieriesen Facebook und Google frontal an - ohne auch nur einmal ihren Namen zu nennen. Ganz ohne Eigennutz tut er das natürlich nicht.

Die Faust geballt, der Blick voller Entschlossenheit. Tim Cook weiß, wie man Zuhörer beeindruckt. Diesmal waren es aber nicht Technologie-Jünger, vor die der Apple-Chef trat, sondern Datenschützer aus fast 80 Ländern, versammelt im Plenarsaal des Europaparlaments in Brüssel.

Schnell kam der Chef des iPhone-Herstellers zum Punkt und redete tacheles. Ohne auch nur die Namen der Datenkraken in den Mund zu nehmen, griff Cook das Geschäftsmodell von Silicon-Valley-Riesen wie Facebook und Google wegen ihrer weitreichenden Verwendung von Nutzerdaten massiv an.

"Der Wunsch, Gewinne über die Privatsphäre zu stellen, ist nichts Neues", erklärte Cook einem Publikum von Datenschutz-Beauftragten, Führungskräften und anderen Teilnehmern. Wie zum Beweis zitierte er Louis Brandeis, den früheren Richter am Obersten Gerichtshof der USA, der bereits 1890 in einem Fachartikel darauf hinwies, dass Klatsch nicht länger die Quelle des Müßigganges und des Bösen, sondern ein Handel geworden sei.

"Unsere Daten werden mit militärischer Effizienz gegen uns gewendet"

"Heute ist dieser Handel zu einem Daten-industriellen Komplex explodiert. Unsere eigenen Informationen, vom Täglichen bis zum sehr Persönlichen, werden mit militärischer Effizienz gegen uns gewendet", warnte Cook unmissverständlich.

Die vielen Datenfetzen seien "jeder für sich allein harmlos". Doch würden sie "sorgfältig zusammengestellt, synthetisiert, gehandelt und verkauft", zitieren englischsprachige Agenturen den Apple Chef weiter. Es gebe da nichts zu beschönigen: "Das ist Überwachung. Und diese Bestände an persönlichen Daten dienen nur dazu, die Unternehmen, die sie sammeln, zu bereichern."

Begriffe und Sätze wie diese aus dem Mund des Apple-Chefs verfolgen vor allem ein Ziel: Abgrenzung des wertvollsten Technologiekonzerns von jenen Unternehmen im Silicon Valley, die in der Vergangenheit durch Daten-Skandale in die Negativschlagzeilen geraten waren.

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