Sonntag, 9. Dezember 2018

Amazon beschwichtigt besorgte Kunden Streik - ausgerechnet am Black Friday

Black Friday: Streikende und Umweltschützer gegen Amazon
REUTERS

Streik am wichtigen Schnäppchenjagd-Tag: Am sogenannten "Black Friday" hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu einem Ausstand beim US-Onlinehandelsriese Amazon in Bad Hersfeld aufgerufen. Auch in Spanien protestieren Amazon-Mitarbeiter, ebenso in Großbritannien und Frankreich. Dort schütteten am Freitag zudem erboste Umweltschützer Elektronikmüll vor die Amazon-Zentrale unweit von Paris, um gegen die Verschwendung und für den schonenden Umgang mit der Umwelt zu protestieren. Black Friday ruft offenbar verschiedene Gruppen auf den Plan.

Auch in Deutschland will Verdi den Rabatt-Tag nutzen, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Der Streik habe mit der Nachtschicht begonnen und solle 24 Stunden dauern, teilte Verdi in der Nacht zum Freitag mit. Angaben zur Streikbeteiligung wurden zunächst nicht gemacht. Verdi will erreichen, dass die Amazon-Mitarbeiter nach den Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels bezahlt werden. Amazon lehnt das ab und orientiert sich an der Vergütung in der Logistik-Branche.

Der aus den USA stammende Shopping-Tag "Black Friday" ("Schwarzer Freitag") gilt als Start in die Saison der Weihnachtseinkäufe. Verdi teilte dazu mit: "Jetzt geht es in den Jahresendspurt, für die Beschäftigten die stressigste Zeit, Überstunden inklusive." Die Beschäftigten müssten besonders an einem solchen Tag in den Mittelpunkt gestellt werden, sagte die Gewerkschafterin Mechthild Middeke. Amazon müsse sich endlich seiner Verantwortung stellen,

Amazon indes beschwichtigt seine Kunden, dass der Streik keinen Einfluss auf die Bestellungen habe. "Da die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter weiterhin wie geplant arbeitet, sind Kundenbestellungen vom Streik nicht betroffen", erklärte Amazon am Freitag. Die Kritik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wies das Unternehmen zurück.

"Viele unserer Mitarbeiter sind seit vielen Jahren bei uns, was auch beweist, dass wir ein guter und zuverlässiger Arbeitgeber sind", erklärte der Online-Handelskonzern. Amazon beweise "jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann".

Die Gewerkschaft kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden und nicht, wie es Amazon bisher praktiziert, orientiert an dem regionalen Tarif der Logistikbranche. Zudem gingen die Rabattaktionen einseitig zu Lasten der Beschäftigten, argumentiert die Gewerkschaft weiter. So fielen durch die vielen "Black Friday"-Angebote viele Überstunden an, die deutlich schlechter vergütet würden, als dies bei tarifgebundenen Unternehmen der Fall sei.

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Amazon betonte dagegen am Freitag erneut, dass das Unternehmen in seinen Logistikzentren am oberen Ende dessen zahle, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei. "In Deutschland beginnen die Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde", erklärte das Unternehmen. "Nach 24 Monaten sind es im Durchschnitt 2.397 Euro brutto im Monat, inklusive zusätzlicher Leistungen wie leistungsbezogener Boni." Hinzu kämen Überstundenzuschlag, Aktien und weitere Zusatzleistungen wie die Förderung der Ausbildung der Mitarbeiter.

dpa/ap/akn

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