Montag, 17. Dezember 2018

Neue Neiddebatte in Frankreich Scheidender Alcatel-Lucent-Chef kassiert 14 Millionen - Paris tobt

Alcatel-Lucent-Chef Michel Combes. An den Millionen für ihn scheiden sich die Geister

Dass Wirtschaftsführer im sozialistisch regierten Frankreich mitunter einen ziemlich schweren Stand haben, muss nun auch der scheidende Alcatel-Lucent-Chef Michel Combes erfahren. Die Nachricht, dass er nach seinem Abgang von der Konzernspitze rund 14 Millionen Euro in Form von Aktien erhalten wird, sorgte in Frankreich für einen öffentlichen Aufschrei.

Die Gewerkschaft CFE-CGC forderte, Combes müsse auf den Großteil der Prämien verzichten, die der Manager über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten soll.

Der sozialistische Finanzminister Michel Sapin rief den Spitzenmanager am Montag im Sender France Info auf, "gesunden Menschenverstand" und "Zurückhaltung" zu zeigen. Combes könne immer noch "gute Entscheidungen" treffen. Kritik kam sogar vom Unternehmerverband Medef: Verbands-Vize Thibault Lanxade bezeichnete die Prämien im Sender RTL als "schockierend".

Combes selbst, der am Dienstag einen neuen Job als COO bei dem Telekommunikationsunternehmen Altice und Chairman bei dessen Mobilfunksparte SFR antritt, sieht hingegen keine Probleme mit dem Handgeld. Schließlich sei es ihm gelungen, "Wert zu schaffen", sagte Combes. Der Konzern, den er am Rande eines Bankrotts übernommen habe, sei gerettet. Combes, der über mehr als 25 Jahre Branchenerfahrung verfügt, gilt als erfahrener Kosten-Killer.

Vor wenigen Wochen hatten die europäischen Wettbewerbshüter grünes Licht für die Übernahme Alcatel-Lucents durch Nokia gegeben. Das Angebot bewertet den französischen Konzern mit 15,6 Milliarden Euro. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen sein.

Der Aktienkurs von Alcatel hat sich seit der Übernahme des Ruders durch Combes von rund einem auf zuletzt drei bis vier Euro vervielfacht.

Von einem internationalen Rekord ist Combes mit seinen 14 Millionen Euro allerdings noch weit entfernt. Der langjährige Chef des texanischen Ölzulieferers, Vincent Volpe, sollte den von Siemens zugekauften Ölzulieferer Dresser-Rand Ende August nach Informationen von manager magazin mit mehr als 113 Millionen Dollar verlassen.

mit afp

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH