Montag, 18. März 2019

Tripadvisor-Gründer Stephen Kaufer "Die Zeit spielt uns in die Karten"

Stephen Kaufer: CEO von Tripadvisor

2. Teil: Sie haben uns in Ruhe machen lassen

mm: Hat die InterActiveCorp Sie operativ weitergebracht, zum Beispiel bei der Internationalisierung, die Sie seit 2004 forciert haben?

Kaufer: Wir waren ja nur ein Jahr lang Teil der InterActiveCorp, bevor wir wiederum in die Expedia Inc. ausgegliedert worden sind. Ich glaube, der Erfolg der Akquisition liegt darin begründet, dass die Geschäftsmodelle sich sehr unterschieden haben. So konnten wir operativ eigenständig handeln. Die InterActiveCorp und später Expedia haben uns dennoch geholfen, zum Beispiel bei Fragen der Rechnungslegung, der Besteuerung, der Gehaltsabrechnung. Dank Expedia wurden wir im Reisemarkt auch besser wahrgenommen. Das wichtigste, was die beiden Unternehmen für uns getan haben, war allerdings: Sie haben uns in Ruhe machen lassen.

mm: Tripadvisor lässt vor allem die Nutzer machen. Das Geschäftsmodell beruht auf deren Bewertungen von Hotels, Restaurants und so weiter. Wieviele aktive Nutzer haben Sie?

Kaufer: Wir haben rund 47 Millionen registrierte Mitglieder, die jeweils mindestens eine Bewertung geschrieben oder ein Bild hochgeladen haben. Insgesamt kommen wir weltweit auf mehr als hundert Millionen Beiträge. Und diese Bewertungen und Bilder sind die Grundlage für alles. Es ist eben ein Unterschied, das Eingangsportal des Hotels im Reisekatalog zu sehen oder die ungeschminkte Rückseite.

mm: Sie werden immer wieder wegen gefälschter Bewertungen kritisiert, zum Beispiel wenn ein Hotelbetreiber seinem Konkurrenten schaden will. Wie gehen Sie mit dieser Problematik um?

Kaufer: Wir haben viel Erfahrung darin gesammelt, die Website so fehlerfrei wie möglich zu halten. Es ist ja auch in unserem eigenen Interesse, dass wir repräsentative Beschreibungen unserer Hotels vorhalten, sonst würden Nutzer unsere Website beim nächsten Mal nicht wieder aufrufen. Wir beschäftigen ein Team von mehreren Hundert weltweit verteilten Mitarbeitern, die jene Beiträge löschen, die verdächtig wirken. Softwareseitig haben wir beispielsweise einen elektronischen Fingerabdruck eingeführt, um Missbrauch zu vermeiden. Als wir das letzte Mal eine Umfrage zur Genauigkeit unserer Hotelbeschreibungen durchgeführt haben, waren im Übrigen 98 Prozent unserer Nutzer zufrieden.

mm: In den vergangenen Jahren haben Sie zahlreiche Übernahmen vollzogen. Wie viel Ihres Wachstums ist organisch, wie viel das Resultat dieser Akquisitionen?

Kaufer: Der ganz große Teil des Wachstums ist organisch. Wir haben zwar eine Reihe von Übernahmen in den vergangenen Jahren getätigt. Diese waren aber sehr klein. In früheren Jahren haben wir vor allem sehr junge Unternehmen zugekauft, wie die Ferienhausbewertungsportale FlipKey und Holiday Lettings, die seither stark gewachsen sind - allerdings unter dem Mantel von Tripadvisor.

mm: Ist Reichweite für Sie bedeutsamer als der Zukauf neuer Technologien?

Kaufer: Das ist unterschiedlich. Bei Holiday Lettings war es so, dass wir in den Ferienhausmarkt einsteigen wollten. Und sie waren schon ein wichtiger Spieler in Großbritannien und ein wachsender im US-Markt. Die Übernahme hat uns geholfen, schneller zum Ziel kommen. Beim kalifornischen Unternehmen Everytrail, das wir 2011 übernommen haben, stand hingegen die Technologie im Vordergrund. Sie hatten ein sehr schönes, nutzergeneriertes Mobilprodukt. Das Thema Mobile ist für uns strategisch sehr bedeutsam und die zugekaufte Technologie konnten wir leicht an unsere Bedürfnisse anpassen. Das EveryTrail-Team produziert heute übrigens unsere City-Guide-Apps, die Sie für die wichtigsten Städte weltweit als Reiseführer für Ihr Smartphone herunterladen können.

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