Mittwoch, 12. Dezember 2018

Smartphones Auf Nummer sicher

Smartphone-Apps: Unterschätzes Einfallstor
Deutsche Messe
Smartphone-Apps: Unterschätzes Einfallstor

Apps für Smartphone und Tablet sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch für Privatleute und Unternehmen sind die kleinen Programme ein potentielles Risiko. Sicherheit versprechen jetzt Prüfunternehmen, die Apps testen und Qualitätssiegel vergeben.

Hamburg - Angela Merkel schätzt es, diskret per SMS zu kommunizieren. Das Telefon der Kanzlerin muss dabei höchsten Ansprüchen genügen, was die Sicherheit betrifft. Im Sommer soll Merkel nun ein neues abhörsicheres Smartphone erhalten.

Ob die Christdemokratin auch Apps schätzt, ist unbekannt. Dies würde allerdings neue Probleme aufwerfen, von denen auch Privatleute und die Wirtschaft betroffen sind: Manche Applikationen für Smartphones sind ein potentielles Sicherheitsrisiko. Sie versenden ungefragt sensible Nutzerdaten, weisen keine Verschlüsselung auf und verletzen Datenschutzrichtlinien - oder bahnen Unbefugten gar den Weg in das Firmennetzwerk.

"Smartphones und Apps sind potentielle Einfallstore und damit Risikofaktoren für Unternehmen", sagt Jörg Völker von der IT-Beratung Secorvo Security Consulting aus Karlsruhe. Dies gelte umso mehr, wenn private oder dienstliche Geräte ohne Sicherheitsmaßnahmen in das Firmennetzwerk eingebunden würden: "Dann sind die Risiken kaum mehr zu kontrollieren", sagt Völker. "Gerade Unternehmen sollten in Bezug auf Apps kritisch und im Zweifel restriktiv sein, wenn es um Dienstsmartphones geht", ergänzt Siegfried Muckenschnabl vom Tüv Süd.

Woher sollen Nutzer wissen, welche Software potenzielle Gefahren birgt? Wie unsicher manche Programme sind, zeigte zuletzt etwa der Fall des populären Nachrichtendiensts WhatsApp, den viele Nutzer anstelle von SMS nutzen: Erst Ende des vergangenen Jahres tauchte eine neue Sicherheitslücke auf, durch die Unbefugte Accounts übernehmen konnten. Ärgerlich dabei: Sowohl die US-IT-Riesen Apple Börsen-Chart zeigen als auch Google Börsen-Chart zeigen filtern ihre App-Stores nach Schadsoftware. Eigentlich. Doch offenbar reichen diese Kontrollen nicht aus. Was tun also?

Steigende Nachfrage nach Sicherheitsprüfungen

Eine Möglichkeit für Nutzer ist, schon vor dem Download auf Prüfsiegel zu vertrauen und nur zertifizierte Programme zu installieren. Verschiedene Unternehmen bieten solche Zertifikate an, darunter mehrere Tüv-Gesellschaften oder die Stiftung Warentest. Seit Herbst 2012 vergibt das Unternehmen Media Test Digital aus Hannover das Prüfsiegel "Trusted App", bislang vor allem an Applikationen von Großunternehmen wie der Deutschen Bahn. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen im Bereich der Sicherheitstests und Zertifizierungen in Deutschland Marktführer.

Noch ist der Markt in Deutschland relativ klein. "Viele Leute sind sich gar nicht über das Risiko bewusst, dass von Apps ausgeht", sagt Muckenschnabl vom Tüv Süd. Doch die Mehrheit der Prüfunternehmen registriert eine steigende Nachfrage. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Plus von 20 Prozent", sagt Guido Hermanowski von Tekit, das zur Tüv-Saarland-Gruppe gehört. Besonders für Unternehmen aus dem Ausland sei das Tüv-Siegel eine gute Möglichkeit, um Markteintrittsbarrieren zu überwinden.

Auch Sebastian Wolters von Media Test Digital spürt eine stark steigende Nachfrage. Beim Tüv-Süd dagegen stagniert im Unterschied zu den Mitbewerbern derzeit das Geschäft mit den App-Tests. Großes Interesse registriert der Tüv Süd jedoch bei der fachlichen Beratung: Unternehmen lassen sich schon vor der Veröffentlichung ihrer App erklären, welche Standards eingehalten werden sollten, damit es nicht zu Sicherheitsproblemen kommt.

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