Sonntag, 17. Februar 2019

Mobiles Bezahlen Deutschlands müder Handel holt auf

Mobiles Bezahlen: Wer beim Wettlauf um die Kunden mitmacht
DPA

Pläne, das Smartphone zum mobilen Geldbeutel zu machen, gibt es schon lange. Über Pilotphasen, Testläufe und Allianzen kam in Deutschland bislang aber keiner der großen Anbieter hinaus. Das dürfte sich nun ändern.

Hamburg - Wie weit kommt man nackt, nur mit Smartphone ausgerüstet? Kann man sich Klamotten, einen Kaffee, etwas zu lesen oder zu trinken kaufen? Der Werbesport, mit dem die Macher der App Mytaxi kürzlich dieser Frage nachgingen, zeigt es allzu deutlich: Nicht wirklich weit. Selbst in einer Großstadt wie Hamburg.

Ob Kaffee, Sandwich, Klamotten oder Schuhe - mit dem Handy bezahlen ist hierzulande bislang nur in ausgesuchten Läden möglich. Dabei ist die Idee des mobilen Bezahlens nicht neu. Feldversuche, Pilotprojekte und Allianzen gibt es viele. Von Sparkassen über Kreditkartenunternehmen, Telefonanbieter bis zum Handel. Kaum einer will sich das neue Geschäft entgehen lassen, und so wird entsprechend hektisch experimentiert und analysiert. Über das Teststadium ist bislang allerdings kaum einer hinaus gekommen.

Das könnte sich bald ändern. Denn mit Sum up, Streetpay oder dem Samwer-Startup Payleven haben nun gleich drei Unternehmen in Deutschland den Sprung in die Realwirtschaft gewagt und bieten Kunden und Händlern mobile Zahlungsmöglichkeiten an. Und für den E-Payment-Experten André Marseille Bajorat dürften sie der Katalysator sein, der dem mobiles Bezahlen in Deutschland den entscheidenden Anstoß geben dürfte. "Lange hieß es immer: das kommt, das kommt", sagt er. "Jetzt sind wir mittendrin." Und auch andere Experten rechnen mit einem "Lawineneffekt".

"Wir sind mittendrin"

Dass der Durchbruch bevorsteht, glaubt auch der bei Mastercard für die Zukunftstechnologien zuständige Jorn Labert. "Im Jahr 2012 wird sich die Blockade lösen", verkündete er kürzlich.

Wie schnell die Entwicklung gehen kann, lässt sich in den USA beobachten, wo man bereits einige Schritte weiter ist. Insgesamt könnten Schätzungen zufolge in diesem Jahr bereits 172 Milliarden Dollar über mobile Bezahlsysteme transferiert werden. 2016 dürften es laut Marktforschungsunternehemn Gartner bereits 600 Milliarden sein. 2017 laut Juniper Research bereits 1,3 Billionen Dollar.

Bislang spielt sich alles noch unter wenigen Spielern ab - doch deren Zahl steigt. Einer der Hauptakteure ist das bereits 1998 gegründete Unternehmen Paypal. das zum Internethändler Ebay Börsen-Chart zeigen gehört. Ursprünglich als Bezahlmöglichkeit für den Internethandel gestartet, drängt der weltweite Marktführer nun auch in den stationären Handel. Und das mit Macht.

Mit mehr als 113 Millionen Konten wickelt Paypal nach eigenen Angaben täglich mehr als 6 Millionen Zahlungen ab. Die bewegte Summe dürfte 2012 nach Paypal-Schätzungen bei mehr als zehn Milliarden Dollar betragen.

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