Montag, 10. Dezember 2018

Unitymedia-Chef Deutschlands neuer Kabelregent

Unitymedia: Übernahme von Kabel BW erlaubt

Er ist der Aufsteiger der Branche. Unitymedia-Chef Lutz Schüler hat sich in kurzer Zeit zu einem der mächtigsten Manager in der Kabelbranche Deutschlands hochgearbeitet. Selbstbewusst. Auf Wachstum gepolt. Jetzt wird er auch seine Integrationskünste unter Beweis stellen müssen.

Hamburg - Unitymedia-Chef Lutz Schüler war noch keine 100 Tage in Köln an Bord, da hatte der neue Chef in der Domstadt bereits eine besondere Marktlücke aufgetan: "Wenn es mit Unity und mir nicht klappen sollte, kann ich immer noch eine Grosch-Filiale an der Rheinpromenade starten", erklärte er Besuchern an manchen Tagen gerne. Im benachbarten Düsseldorf jedenfalls brumme ein solche Imbissbude der Fischfeinkostkette, erläuterte der Manager weiter.

Wie es nun aussieht, hat Schüler durchaus auch im Geschäft mit schnellen Kabelanschlüssen ein sicheres Gespür für günstige Gelegenheiten, einen Plan B wird er vorerst nicht brauchen. Denn die Kartellbehörden haben Schülers Mutterkonzern Liberty Global gerade erst erlaubt, den kleineren Rivalen Kabel BW für 3,2 Milliarden Euro zu übernehmen. Und Schüler wird zum neuen starken Mann des künftigen Verbundes gekürt.

Kabel-BW-Chef Harald Rösch ist fortan ein Vorgesetzter auf Abruf - wie andere Vorstandskollegen in Heidelberg auch. Sechs Monate noch werde er dem vereinten Kabel-Konzern erhalten bleiben, um bei der Integration behilflich zu sein. "Wir kennen uns gut und kommen sehr gut miteinander aus. Es ist ein sehr hohes und tolles Engagement, das Harald Rösch hier zeigt", versüßte Schüler dem Kabel-BW-Frontmann den Rauswurf auf Raten.

Schüler war Marketingleiter bei O2

Schüler hat sich damit in kurzer Zeit zu einem der mächtigsten Kabelmanager der Republik hochgearbeitet. Er manövriert fortan ein Geschäft mit sieben Millionen Kunden, nur noch der Wettbewerber KDG in München hat mit knapp neun Millionen mehr.

Schüler fand über den Mobilfunk in die Brache: Der hoch gewachsene Windsurfer war lange Jahre Marketingleiter von O2 in München. Schon dort habe der Manager auf einen Chefposten gedrängt, heißt es. O2-Chef René Schuster löste das Problem auf elegante Weise und kürte Schüler 2010 zum Leiter der O2-Tochter Hansenet im fernen Hamburg.

Kein Jahr später schon lotste Unity Global den Marketingprofi schließlich nach Köln, zwei Monate danach gab der US-Konzern den geplanten Kauf von Kabel BW bekannt.

Ernsthafte Sorgen um seine Karriere im Kabelgeschäft hat sich Schüler natürlich nie gemacht. Seine Berufung an die Unity-Spitze kommentierte der Branchenveteran, nachdem er seinen Imbissbuden-Scherz losgeworden war, anschließend mit einer guten Portion Selbstbewusstsein: "Unity suchte jemanden, der Wachstum kann - und eine erfolgreiche Integration gestemmt hat." Diese Erfahrungen kann er nun mehr denn je gebrauchen.

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