Dienstag, 25. September 2018

Telekom Auf die falsche Karte gesetzt

Rückschlag: Telekom-Chef René Obermann hat den Ausstieg aus den USA als Strategiewende verkauft. An einem Abschied aus den USA wird er kaum vorbeikommen - allerdings zu weitaus schlechteren Konditionen.

Die Telekom gibt sich überrascht, dass das US-Justizministerium die Fusion von T-Mobile USA und AT&T blockiert. Doch längst war absehbar, dass der Verkauf des US-Geschäfts kein Selbstläufer sein würde. Telekom-Chef Obermann hat auf die riskanteste Karte gesetzt - und braucht nun dringend einen Plan B. 

Hamburg - Es kommt nur äußerst selten vor, dass das US-Justizministerium gegen eine geplante Fusion klagt. Nun ist die Behörde diesen Schritt gegangen, um die anvisierte Übernahme von T-Mobile USA durch den Rivalen AT&T zu verhindern. Entsprechend geben sich die beiden Telekommunikationskonzerne nun enttäuscht und überrascht. Doch kam das Veto des US-Ministeriums wirklich derart unerwartet?

Wohl kaum. Auch wenn Telekom-Chef René Obermann noch Anfang August kritische Fragen zum Thema Verkauf der missliebigen Tochtergesellschaft mit Schönwetterparolen zu entkräften versuchte, war längst absehbar, dass das Vorhaben kein Selbstläufer sein würde.

Da waren zum einen Verbraucherverbände in den USA, die gegen den Deal von Anfang an opponierten. Da forderten zum anderen einflussreiche Senatoren wie Herb Kohl, der Vorsitzende des Wettbewerbsausschusses des Senats, den Deal zu verbieten. Schließlich stand die Ansage von US-Präsident Barack Obama im Raum, das Profil des Justizministeriums in Sachen Wettbewerbsrecht schärfen zu wollen, nachdem die Behörde unter seinem Vorgänger George W. Bush seiner Meinung nach die Beißkraft abhanden gekommen war.

Zu guter Letzt tauchte vor Kurzem auch noch ein vertraulicher Brief von AT&T-Anwälten an die US-Wettbewerbsbehörde FCC im Internet auf, in dem diese das Kernargument für die Übernahme im Grunde als dreiste Lüge enttarnten: Darin bezifferten die Anwälte die Kosten für einen Ausbau schneller Netze in den USA auf 3,8 Milliarden Dollar - also auf ein Zehntel der Summe, den AT&T bereit ist, für T-Mobile USA auszugeben. Dabei hatte der Konzern von Anfang an stets ins Gefecht geführt, erst die Übernahme des kleineren Rivalen T-Mobile würde den dringend benötigten Ausbau der Netzte in den USA gewährleisten.

Bittere Wahrheit für Konzernchef Obermann

Vor allem aber war schon seit Ankündigung des Deals im März eines einfach nicht wegzudiskutieren: die Marktmacht, die AT&T im Verbund mit T-Mobile USA erhalten würde. Es würde schließlich ein Duopol zwischen AT&T und Verizon Wireless entstehen, das mehr als 76 Prozent des Marktes beherrscht.

Welche Behörde würde etwa eine Übernahme von E-Plus durch die Deutsche Telekom hierzulande erlauben? Die Antwort lautet: keine.

Seit gestern zeigt sich deshalb vielmehr, dass Obermann bei seinem Versuch, sein dringendstes Problem, nämlich den schleppenden US-Markt loszuwerden, von allen möglichen Optionen ausgerechnet auf die riskanteste Karte gesetzt hat. Sicher, noch ist die Transaktion nicht komplett gestoppt, und AT&T hat angekündigt, gegen das Veto gerichtlich vorzugehen. Doch es wird immer unwahrscheinlicher, dass der Zusammenschluss am Ende noch gelingen wird.

Für Obermann ist das eine bittere Wahrheit: Den Ausstieg aus den USA hat er den Investoren als Strategiewende verkauft, die Telekom in Zukunft in einen kleinen, aber feinen weil profitablen europäischen Konzern zu formen.

Egal, wie sein Plan B nun aussehen mag, an einem Abschied aus dem US-Geschäft wird er tatsächlich wohl kaum vorbeikommen - allerdings zu weitaus schlechteren Konditionen. Obermanns Poker, sich ausgerechnet mit Platzhirsch AT&T statt etwa mit einem kleineren Rivalen wie Sprint Börsen-Chart zeigen zusammenzutun, ist nicht aufgegangen: Er wird wohl nicht als der geschickte und gewiefte Stratege in die Telekom-Annalen eingehen, dem das Kunststück gelungen ist, für ein schleppendes Geschäft wie das der T-Mobile USA sagenhafte 39 Milliarden Dollar zu kassieren.

Statt dessen wird er wohl als der Telekom-Chef in Erinnerung bleiben, der alles auf die falsche Karte gesetzt hat.

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