Dienstag, 19. März 2019

Internetwirtschaft Facebook wird zum Business-Antreiber

Zyngas Farmville: Das Facebook-Spiel hat mehr als 37 Mio. monatliche Nutzer

Dieser Termin kann zum Symbol werden: Der Antrag des Onlinespieleherstellers Zynga für einen Börsengang markiert den vorläufigen Höhepunkt für eine ganz neue Form des Wirtschaftens - die Facebook-Economy. Und die kommt jetzt auch in Europa groß auf.

Hamburg - Wenn Ian Hogarth in die Zukunft des Internetgeschäfts blickt, dann sieht sich der Unternehmensgründer an prominenter Stelle. Wie die Nutzer etwa in den USA heute sofort an Netflix denken, wenn sie einen Film online ausleihen möchten, so sollen die Menschen weltweit direkt auf Songkick klicken, sobald ihnen der Sinn nach einem Live-Konzert ist. Denn mit der Hilfe des 2007 von Hogarth in London gegründeten Konzertticketvermittlers können Fans nachverfolgen, wann ihre Lieblingsmusiker in welcher Stadt auftreten.

"Wir wollen es so einfach machen, zu einem Konzert zu gehen, wie es ein Kinobesuch an einem Freitagabend bereits ist", sinniert in solchen Momenten der Songkick-CEO. Reines Wunschdenken oder realer Businesscase?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg würde für letzteres plädieren. Schließlich ist Songkick eines der beliebtesten Angebote, das die 700 Millionen Facebook-Nutzer derzeit nutzen.

Und was es am Ende bedeuten kann, wenn die Gemeinde des weltweit größten sozialen Netzwerks beginnt, sich für einen neuen Dienst wie Songkick zu begeistern, macht derzeit der Online-Spielehersteller Zynga vor. Vielmehr noch, der Zynga-IPO-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC markiert den vorläufigen Höhepunkt für eine ganz neue Form des Wirtschaftens - die Facebook-Economy. Obwohl der Termin für den Schritt auf das Parkett noch nicht fest steht, wird bereits über einen Erlös des Börsengangs von etwa einer Milliarde Dollar spekuliert.

Doppelter Vorteil

Mittlerweile nutzen Gründer das weltweit größte soziale Netzwerk als Plattform für die Verbreitung ihrer eigenen Geschäftsidee - und bescheren Facebook-Chef Zuckerberg im Idealfall zusätzlichen Verkehr auf dem Portal, mit dem er bei den eigenen Werbekunden wuchern kann. "Facebook buhlt um die Aufmerksamkeit der Entwickler genauso, wie Apple dies mit seinem App-Store tut", sagt etwa Gründer Ouriel Ohayon aus Frankreich.

Aber haben auch Unternehmen aus Europa Zynga-Potenzial? Es sieht inzwischen ganz danach aus.

Bambuser aus Schweden (hilft den Nutzern, Gefilmtes live mit anderen zu teilen), Appsfire aus Frankreich (empfiehlt Handy-Applikationen, die den eigenen Vorlieben entsprechen) oder die Entertainment-Plattform Nokta aus der Türkei gehören derzeit zu den heißesten Angeboten, für die sich die Facebook-Gemeinde begeistert. Die Facebook-Economy hebt in Europa ab. "Vor allem entdecken Wagniskapitalgeber jetzt Europa. Es fließt eine Menge an klugem Geld inzwischen hierher", sagt Christian Hernandez, bei Facebook für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells zuständig.

So machte Anfang Juni im Silicon Valley ausgerechnet ein Unternehmen aus Berlin in Sachen Spielewirtschaft Schlagzeilen: 24 Millionen Dollar sammelte Wooga-Gründer Jens Begemann bei Investoren wie Highland Capital und Holtzbrinck Ventures für die Expansion ein - und blies damit direkt zum Angriff auf Zynga.

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