Mittwoch, 21. November 2018

Frog Design "Wir sind Seelenklempner für Unternehmen"

Frog Design verlässt seinen alten Teich. Das Unternehmen, das mit Entwürfen für Apple und Sony Designgeschichte schrieb, verlegt sein Deutschland-Büro nach München. Wie sich die Kultagentur seit dem Ausscheiden des Gründers Hartmut Esslinger verändert hat, erklärt Vorstandschefin Doreen Lorenzo im Gespräch mit manager magazin.

mm: Frau Lorenzo, wollen Sie sich mit dem Umzug vom schwäbischen Herrenberg nach München endgültig von Designpapst Hartmut Esslinger und seinen Ideen verabschieden?

Lorenzo: Überhaupt nicht. Hartmut bleibt die Seele von Frog Design. Aber mit dem Verkauf seiner letzten 20 Prozent Unternehmensanteile an den Investor KKR Börsen-Chart zeigen hat er sich 2006 endgültig aus der Firma zurückgezogen. Da mussten wir uns eben völlig neu erfinden.

mm: Wie lässt sich denn so ein kreativer Kopf wie Esslinger ersetzen?

Lorenzo: Hartmut ist ein Künstler. So jemand ist gar nicht zu ersetzen. Deshalb habe ich nach seinem Weggang nicht nach einem neuen Chefdesigner für Frog gesucht. Stattdessen habe ich ein ganzes Team an schöpferischen Talenten eingekauft und dabei bewusst die besten Leute aus unterschiedlichen Bereichen angeheuert. Ich wollte die Rockstars der Branche haben.

mm: Mit Verlaub - den großen Wurf aus dem Hause Frog haben wir aber seither nicht mehr gesehen.

Lorenzo: Ikonen wie die Snow-White-Serie für Apple oder das Fernsehgerät Wega für Sony Börsen-Chart zeigen können wir in der Tat nicht vorweisen. Das liegt aber auch daran, dass wir nicht mehr nur physische Produkte entwerfen, sondern integrierte Lösungen, die aus Gerät, Software und Geschäftsmodell bestehen. Schließlich können wir auf die 8000 Programmierer der Softwareschmiede Aricent zurückgreifen, zu der wir mittlerweile gehören.

mm: "Integrierte Lösungen" klingt verdächtig nach dem typischen Marketking-Geschwurbel von IT-Firmen. Ist Frog überhaupt noch eine Designagentur?

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