Freitag, 22. März 2019

Google Buzz Frontalangriff auf Facebook

Google wildert im Revier von Facebook und Twitter: Der Web-Gigant verkündet einen Relaunch von Google Mail, der den Post- zum Universaldienst macht und alles verbindet, was der Konzern zu bieten hat. Der Buzz-Dienst bietet Social-Networking in Echtzeit und bringt die Konkurrenz in Zugzwang.

Die Jungs von Google beherrschen eine seltene Kunst: Sie schaffen es, hemdsärmelig zu erscheinen, wenn sie in Wahrheit für die Schlacht gerüstet sind. Sie plaudern über Neuigkeiten - und teilen zwischen den Zeilen mit, dass sie gerade einen Frontalangriff auf die Konkurrenz starten, mit dem sie die Produkte der Wettbewerber schlicht ersetzen wollen.

Genau das haben Konzerngründer Sergey Brin und seine Mitstreiter am Dienstagabend bei der Vorstellungen von Google Buzz einmal mehr unter Beweis gestellt.

Buzz, das vorab nicht groß angekündigte Update zu Googles Mail-Dienst, der in den USA und den meisten Ländern der Welt Gmail heißt, tritt an, die Funktionalitäten von Mailprogramm, Social-Network-Plattform,Twitter-Dienst, Fotoalbum, Videoplattform, Newsreader und mehr zu integrieren. Einen "One Stop Shop" nennen Amerikaner so etwas - einen einzelnen Laden, in dem es alles zu kaufen gibt.

Alles in Echtzeit

Die Google-Buzz-Präsentation wurde zur umfangreichsten und möglicherweise wichtigsten Produktvorstellung des Unternehmens seit Maps oder Google Earth. Google Mail wird aus der gewohnten Oberfläche heraus zahlreiche Social-Media-Funktionen bedienen und - ähnlich wie Facebook und Co. - automatisch ein Social-Network-Profil des Anwenders generieren.

Doch anders als die Konkurrenz schafft Google das alles in Echtzeit: Der Mail-Dienst ist seit langem schon Chat- und Videochat-Plattform. Jetzt kann man auch in Echtzeit kommentieren, annotieren ("Ich mag das") und sieht die Kommentare anderer Nutzer auf dem Schirm - und zwar so, wie sie gespeichert werden. Zahlreiche Funktionen sind teilautomatisiert. So gruppiert das Buzz-Programm die häufigsten Mail-Kontakte zu einer Follower-Auswahl, deren Beiträge man sehen kann, wenn man will.

Ob das auch für eigene Postings gilt, setzt der Nutzer selbst fest: Er kann seine Informationen und Medien mit eingegrenzten Nutzergruppen oder mit der ganzen großen Web-Öffentlichkeit teilen. Er kann flickr-Alben integrieren (und im vollen Album-Modus ansehen, ohne das Programm zu verlassen). Buzz bindet YouTube-Videos ein, genau wie Picasa-Bilder und Alben oder Twitter-Nachrichten. Das alles ist nicht nur schnell und - glaubt man der Präsentation - höchst einfach, sondern sogar dynamisch: Man sieht den Veränderungen der Seite zu, es gibt etwa bei der Kommentarfunktion keine klare Abgrenzung zwischen Blog-Kommentierung und Chat mehr. Das hat man so noch nicht gesehen.

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