Samstag, 18. August 2018

"Digital Natives" Die Revolution der Web-Eingeborenen

3. Teil: Wie verändern Digital Natives die Unternehmen?

Zurzeit drängen die Digital Natives auf den Arbeitsmarkt. Im Kontext der Kreativ- und Wissensökonomie gewinnen ihre Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. So gerät die Community der Onlinerollenspieler verstärkt in den Fokus der Rekrutierungsbemühungen, denn man hat erkannt, dass Onlinespiele strategisches Denken, Kommunikationskompetenz sowie Führungsqualitäten schulen.

Andreas Neef ist Zukunftsforscher und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Z_Punkt. Er verantwortet Foresight- und Innovationsprojekte für namhafte Großunternehmen und berät Topmanager in strategischen Zukunftsfragen.
IBM-Manager Moshe Rappoport erwartet deshalb künftig einen positiven Wandel in den Manageretagen und bescheinigt der Netzgeneration eine besonders schnelle Reaktionszeit, überdurchschnittliche Informationsverarbeitung, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen.

Nicht unproblematisch ist allerdings die Übergangszeit, in der sich der digitale Generationenwechsel vollzieht: Eine Befragung des Onlineanbieters LexisNexis, der Wirtschafts-, Finanz- und Rechtsinformationen bereitstellt, fand heraus, dass 44- bis 60-jährige Angestellte den Einsatz von Laptops in Besprechungen als störend empfinden, während die Mehrheit der unter 29-Jährigen dies als effektives Arbeiten bezeichnen.

"Auffassungs- und Verhaltensunterschiede zwischen den Generationen können nicht verleugnet werden. Manager sollten nicht zusehen, wie die rasante technische Entwicklung ihr Personal auseinander dividiert", so Mike Walsh, CEO von LexisNexis. Besonders Unternehmen mit konservativen Strukturen fällt es schwer, sich mit den Bedürfnissen der Digital Natives anzufreunden: Für viele der jetzt jungen Netzgeneration stellt der Nine-to-Five-Job ein Relikt aus Zeiten der Industrialisierung dar. Als Netzwerkarbeiter befinden sich viele ihrer Kollegen und Kontakte in verschiedenen Zeitzonen, sie bevorzugen flache Hierarchien, das Recht auf Mitbestimmung, Transparenz und Herausforderungen. Dafür bieten sie flexible Prozessstrukturen und arbeiten oft hoch effizient.

Digitale Konsummuster

Unternehmen sollten sich zudem überlegen, welche Mehrwertdienste ihnen angesichts der Möglichkeiten des Internets künftig noch Umsatz bringen. IT-Experte Urchs schlägt vor, den Umgang mit den digitalen Spuren im Netz zu lernen und die Wissenspyramide umzudrehen. Dies ist nicht nur nötig, um Mitarbeiter unterschiedlicher Generationen in Unternehmensprozesse einzubinden, sondern auch um ihre Konsummuster zu verstehen.

Zum Leid vieler Werber stellen die Digital Natives keine homogene Zielgruppe dar. Es fällt schwer, sie über die klassischen Werbekanäle zu erreichen. 97 Prozent der 14- bis 19-jährigen haben einen Zugang zum Internet und nutzen dieses Medium intensiver als alle anderen: im Durchschnitt 120 Minuten am Tag. Soweit das Ergebnis einer Studie von ARD und ZDF. Der Fernseher läuft dagegen nur 100 Minuten am Tag, Tendenz fallend. 68 Prozent der Teenies und 57 Prozent der Twens haben ein Profil bei einem oder mehreren Social-Network-Anbietern. Diese Netzwerke nutzen sie auch, um sich über Produkte zu informieren. Anstatt sich auf Werbebotschaften zu verlassen, zählt immer mehr die Meinung der eigenen Kontakte als Hauptquelle von Produktinformationen.

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