Freitag, 14. Dezember 2018

Millionendeal Madsack kauft Springer-Zeitungen

Die Axel Springer AG verkauft Beteiligungen an mehreren Regionalzeitungen an die Verlagsgruppe Madsack. Insgesamt wird das Geschäft mehr als 300 Millionen Euro in Springers Kassen spülen. Verlagschef Mathias Döpfner hat bereits eine Vorstellung, wofür er das Geld ausgeben will.

Berlin/Leipzig - Bei den verkauften Regionalzeitungsanteilen handele es sich um die "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), die "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), die "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent) sowie die Beteiligung an der norddeutschen Verlagsholding Hanseatische Verlags-Beteiligung (23 Prozent), teilte die Axel Springer AG Börsen-Chart zeigen am Mittwochabend mit. Gleichzeitig übernehmen die "Lübecker Nachrichten" den Springer-Anteil an der Rostocker "Ostsee-Zeitung" (50 Prozent).

Weg mit Regionalzeitungen: Springer-Chef Döpfner will in eigene Zeitungen und Onlinemedien investieren
DPA
Weg mit Regionalzeitungen: Springer-Chef Döpfner will in eigene Zeitungen und Onlinemedien investieren
Das Gesamtvolumen der Transaktionen betrage 310 Millionen Euro. Dem Verkauf muss noch die Kartellbehörde zustimmen.

"Mit dem Verkauf der Minderheitsbeteiligungen konzentrieren wir uns noch konsequenter auf Investitionen in unsere eigenen Zeitungen, den multimedialen Ausbau unserer Marken und Akquisitionen neuer Onlinewachstumsgeschäfte", sagte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner.

Herbert Flecken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Madsack, erklärte laut Springer-Pressemitteilung, seine Verlagsgruppe stärke damit ihr Kerngeschäft im Tageszeitungs- und Anzeigenblattsektor "und auch die Position des Medienhauses Madsack im Norden."

Madsack verfügt bereits über zahlreiche Beteiligungen in dieser Region. Das Haus verlegt die "Hannoversche Allgemeine", die ebenfalls in der niedersächsischen Hauptstadt erscheinende "Neue Presse" und ist an einer Vielzahl von Regional- und Lokalblättern beteiligt, etwa in Celle, Göttingen und Hameln. Hinzu kommen diverse Beteiligungen an Rundfunksendern (Antenne Niedersachsen) sowie an TV-Unternehmungen (TIMM TV, AZ Media).

Lohndumping "noch hemmungsloser als bisher"?

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte unterdessen den Verkauf. Dies bestärke Verdi in der Einschätzung, dass die Konsolidierung am Zeitungsmarkt anhalten werde, hieß es in einer Mitteilung des Landesbezirkes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Donnerstag. Die Gewerkschaft befürchtet, dass dadurch Ausgliederungen und Fremdvergabe von Verlagsarbeiten, Missbrauch von Leiharbeitern für Tarifdumping in Druckerei, Verlag und Redaktion durch Madsack/LVZ "noch hemmungsloser als bisher" praktiziert würden.

Der Landesbezirk forderte Maßnahmen zum Schutz der regionalen Verankerung von Zeitungen, vor allem ihrer publizistischen Unabhängigkeit. Zugleich kündigte er Widerstand gegen einen möglichen Arbeitsplatzabbau an.

Der Verkauf der Springer-Zeitungen an Madsack ist die zweite große Verschiebung dieses Jahres im deutschen Regionalzeitungsmarkt. Vor Kurzem hatte der umstrittene britische Medieninvestor David Montgomery seine deutschen Objekte ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Hamburger Morgenpost") an den Kölner Regionalzeitungsfürsten Alfred Neven DuMont verkauft.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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