Samstag, 17. November 2018

LinkedIn auf Deutsch Neuanfang im "nuklearen Winter"

2. Teil: "Get real or go home"

"Get real or go home"

Völlig ungeschoren ist die Krise, die Netscape-Gründer Marc Andreesen sogar als "nuklearen Winter" bezeichnete, bislang allerdings nicht an den Netzwerken vorbeigegangen.

Frostig: Die Expansion von LinkedIn fällt in wirtschaftlich schwierige Zeiten - in der Branche ist sogar von einem "nuklearen Winter" die Rede
REUTERS
Frostig: Die Expansion von LinkedIn fällt in wirtschaftlich schwierige Zeiten - in der Branche ist sogar von einem "nuklearen Winter" die Rede
Und das nicht nur, weil Kapital derzeit knapp ist und die Onlinewerbeumsätze einbrechen.

Zahlen veröffentlichen zwar nur die wenigsten. Aber wirklich solide Modelle, gutes Geld zu verdienen, haben sich Branchenexperten zufolge bei den Social Networks noch nicht herauskristallisiert. "Es gibt noch keine Formel für den Erfolg", sagt Nicholas Economides, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Stern School of Business der New York University.

Chris Alden, Chef der Blog-Softwarefirma Six Apart, rechnet daher in der Branche mit einer massiven Marktbereinigung im Internet. "Wir werden in den nächsten ein, zwei Jahren noch eine Konsolidierungswelle sehen", ist er überzeugt.

RIP: Good Times

Sequoia Capital, die auch bei LinkedIn investiert sind, sollen angesichts der Krise sogar all ihren Unternehmen in einer Präsentation dazu aufgerufen haben, realistisch zu werden - "get real or go home". Bezeichnender Titel des Ganzen: "RIP: Good Times."

Erste Federn hat die Branche bereits gelassen: So kündigte die weltweite Nummer drei bei den Social Networks, Hi5, bereits im Oktober an, bis zu 15 Prozent seiner 110 Jobs streichen zu wollen. Und auch an LinkedIn ist die Krise nicht spurlos vorübergegangen. Zwar sammelten die Amerikaner in zwei Finanzierungsrunden im Juni und Oktober zusammen mehr als 75 Millionen Dollar ein und haben damit Kapital für die Expansion im Rücken. Doch im November kündigte auch LinkedIn einen umfassenden Stellenabbau an - rund 10 Prozent der Arbeitsplätze sollen wegfallen.

Doch im Vergleich zu vielen kleineren sozialen Netzwerken, könnten die Businessnetzwerke in gewisser Weise von der Krise sogar noch profitieren. Die Mitgliederzahlen jedenfalls steigen. So soll sich die Zahl der Nutzer aus dem Bankbereich bei LinkedIn seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers verdoppelt haben. Und auch bei Xing gründeten sich angesichts massenhafter Entlassungen zahlreiche Alumni-Guppen.

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