Sonntag, 20. Januar 2019

Netzwerk RTL übernimmt Wer-kennt-wen komplett

Die Bertelsmann-Tochter RTL baut ihr Internetgeschäft aus und übernimmt die restlichen Anteile an dem sozialen Netzwerk "Wer-kennt-wen". Ein Goldesel ist die Plattform bisher nicht. Der Fernsehkonzern sieht in dem Kauf einen strategischen Schritt.

Köln - Das RTL-Tochterunternehmen RTL Interactive hat die restlichen 51 Prozent an dem Webportal Wer-kennt-wen.de übernommen. Das Unternehmen hatte sich vor gut einem Jahr mit 49 Prozent an dem sozialen Netzwerk beteiligt. Über den Kaufpreis haben die beteiligten Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Branchenkennern zufolge sollen aber weniger als zehn Millionen Euro geflossen sein.

Bleiben Geschäftsführer: Wer-kennt-wen-Gründer Jager und Ohler
Angesichts des hohen Wachstums des Portals halten Brancheninsider diese Summe für gering. Zudem erinnert der Deal an den Kauf eines anderen sozialen Netzwerks durch einen Medienkonzern: Der Holtzbrinck-Verlag hatte Anfang 2007 85 Millionen Euro für die Netzwerkplattform StudiVZ gezahlt. Auch im Vergleich dazu gilt der Wer-kennt-wen-Deal geradezu als Schnäppchen.

Die beiden Gründer, der 26-jährige Fabian Jager und der 27-jährige Patrick Ohler bleiben weiterhin in ihrer Position als Geschäftsführer tätig.

Seit seiner Gründung im Oktober 2006 in Koblenz ist das soziale Netzwerk auf Expansionskurs. Anfang Dezember 2007 hatte die Plattform nach eigenen Angaben noch eine Million Mitglieder, etwas mehr als ein Jahr später hat die Mitgliederzahl bereits die 5,5 Millionen-Marke überschritten.

Mit 4,3 Milliarden Seitenaufrufen liegt Wer-kennt-wen laut IVW vom Dezember 2008 auf Rang zwei im deutschen Web hinter dem Wettbewerber StudiVZ mit rund 4,8 Milliarden Seitenaufrufen. Das Portal wirft derzeit noch keine Gewinne ab. Die Gewinnzone werde "in einem überschaubaren Zeitraum" erreicht, hieß es laut "Handelsblatt" bei RTL. Ein genaues Datum wollte der Konzern nicht nennen. RTL sieht in der Übernahme vor allem einen strategischen Schritt. Der Fernsehkonzern will vom klassischen TV-Geschäft unabhängiger werden.

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