Sonntag, 24. März 2019

Debatte über Werbesprache Alles denglisch oder was?

Zu viele englische Begriffe in der Werbung verwirren, sagen Verbraucherschützer. Verklausuliertes Beamtendeutsch sei noch schlimmer, kontern die Kreativen. In Berlin trafen sich beide Seiten zum Schlagabtausch.

Berlin - Schon ärgerlich, wenn Tausende Euro für Werbung ausgegeben werden und sie dann kaum jemand versteht. Den Werbespruch "Make the most of now" des Telefonabieters Vodafone verstanden nur wenige Menschen. Viele übersetzten ihn in "Mach' keinen Most daraus". Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ein klarer Fall von Kundenverunsicherung und ein Signal, auf die Barrikaden zu gehen.

Mit dem Literaturhaus Berlin hatten die Verbraucher- und Sprachschützer am Donnerstag den passenden Ort für ihre Veranstaltung "Denglisch oder was?" gefunden. Die schweren Stofftapeten und das dunkle Edelholz im Kaminzimmer der alten Villa ließen erst gar keinen Zweifel am Ernst der Lage aufkommen.

Denn schlimm muss es um die Seelen deutscher Käufer wohl bestellt sein, wenn sie mit Werbesprüchen wie "Welcome to the Beck's Experience" völlig in die Irre geleitete werden. Nicht wenige Verbraucher übersetzen "Experience" nämlich mit Experiment und lassen sich das Becks-Erlebnis damit völlig entgehen. Das weiß jedenfalls Professor Christoph Fasel, seit 2005 Direktor des Instituts für Verbraucherjournalismus an der privaten SRH Hochschule Calw und ein Fachmann auf dem Gebiet der Sprachverwirrung.

Fasel hatte auch das Vodafone-Beispiel parat, im Staccato fetzte er weitere Werbesprüche ins Publikum, das zu großen Teilen aus Wissenschaftlern, Werbern und Politikern bestand - und wenn die Politik im Spiel ist, wird es richtig Ernst. Schließlich ist es erst zehn Tage her, da der Stuttgarter CDU-Bundesparteitag für die deutsche Sprache einen Verfassungsrang gefordert hatte. Die Sprache habe in den letzten Tagen an Aktualität gewonnen, betonte denn auch Verbraucherzentrale-Bundesvorstand Gerd Billen, der am Vortag noch zum neuen Datenschutzgesetz referierte.

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