Dienstag, 13. November 2018

Linkspartei Abgeordneter ließ Wikipedia sperren

Der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann von der Linkspartei hat die Internetadresse Wikipedia.de tagelang unbrauchbar gemacht. Der Parlamentarier hatte sich vor Gericht über angeblich ehrabschneidende Behauptungen in dem Internetlexikon über sich zur Wehr gesetzt.

Berlin - Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann hat die Internetseite Wikipedia.de des gleichnamigen Internetlexikons durch einen Gerichtsbeschluss sperren lassen. Das Landgericht Lübeck habe per einstweiliger Verfügung vom 13. November vorerst verboten, "die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten", teilte der Verein Wikimedia Deutschland am Wochenende mit. Das deutschsprachige Internetlexikon Wikipedia war aber weiterhin über die Adresse "http://de.wikipedia.org" zu erreichen.

Zwischenzeitlich offline:
Die deutsche Startseite des Onlinelexikons Wikipedia
Nach Heilmanns Ansicht wurden in einem Wikipedia-Artikel unwahre Behauptungen über ihn aufgestellt. Heilmann erklärte am Sonntag, die von ihm monierten Behauptungen seien inzwischen entfernt worden und die Seite Wikipedia.de könne wieder freigeschaltet werden. Seit Samstag ist das Portal nicht zu erreichen.

Seit Längerem steht Heilmann in der Kritik, weil er von 1985 bis Januar 1990 in der Abteilung Personenschutz der Staatssicherheit der ehemaligen DDR arbeitete. Der 42-jährige Politiker wurde in Sachsen geboren und zog 2005 über die Landesliste Schleswig-Holstein für die heutige Linke in den Bundestag ein.

Nach einem Bericht der Onlineausgabe des "SPIEGEL" gaben vier Passagen in dem Wikipedia-Eintrag den Ausschlag für die Entscheidung des Gerichts. Sie beträfen im Wesentlichen den beruflichen und politischen Werdegang des Politikers, berichtete "SPIEGEL ONLINE" unter Berufung auf Thorsten Feldmann, Anwalt der Berliner Kanzlei JBB, die den Verein Wikimedia vertritt.

Nach der Sperrung der Internetadresse erzielte der deutsche Förderverein Wikimedia einen Spendenrekord. Während sonst durchschnittlich 3000 Euro pro Tag an Spenden eingenommen werden, schnellte am Samstag das Spendenvolumen auf mehr als 16.000 Euro hoch.

Viele der Spender protestierten damit offenbar gegen die Blockade der Seite. Die Hälfte der Spenden wird von den regionalen Organisationen für lokale Zwecke verwendet, die andere Hälfte geht in Absprache mit der Wikimedia Foundation an überregionale Projekte.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa

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