Montag, 17. Dezember 2018

Cloud Computing Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen

2. Teil: Das Netzwerk als Computer

Das Netzwerk als Computer

Über mehrere Jahrzehnte existierte keine gangbare Alternative. In dem Moment allerdings, in dem die Bandbreite kein Nadelöhr mehr darstellt, sondern ein veritables Einfallstor für Datenströme aller Art, "wird der Computer ausgehöhlt und verteilt sich über das Netzwerk" — so orakelte der heutige CEO von Google, Eric Schmidt, schon 1993. Der Nutzer am Schreibtisch sitzt dann zwar weiterhin am Desktop. Unter der Hand hat sich dieser jedoch längst in einen "Webtop" verwandelt, der sich alle nötigen Daten, Dienste und Applikationen aus dem Netz holt.

Ben Rodenhäuser arbeitet als Trend- und Zukunftsforscher bei Z_punkt The Foresight Company, einem Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Netzwelt, Konsum und Urbanität.
Tatsächlich können es die Bandbreiten der schnellsten Internetverbindungen heute bereits mit langsamen lokalen Netzen aufnehmen. Zunehmend erlauben auch mobile Zugänge ins Netz komfortables Arbeiten — und auf 3G (also UMTS) wird unweigerlich 4G folgen. Dementsprechend schickt sich Schmidts Prophezeiung an, Wirklichkeit zu werden: der Computer in der Cloud nimmt Gestalt an – wobei der Begriff "Cloud" (zu Deutsch: Wolke) der Tatsache geschuldet ist, dass das Internet in Diagrammen oft als Wolkenumriss dargestellt wird. Cloud Computing bedeutet also, das Internet als Computer zu nutzen.

Schon heute ist das Spektrum dessen, was sich an Software als Service aus dem Netz beziehen lässt, umfangreich, von Googles Anwendungen für Tabellenkalkulation und Textverarbeitung über Photoshop Express für die Online-Bildbearbeitung bis hin zu ausgewachsenen Enterpriseapplikationen wie der CRM-Anwendung Salesforce. Auch SAP wird bald eine Cloud-Anwendung auf den Markt bringen, musste allerdings den Startschuss bereits mehrfach verschieben — ein Hinweis darauf, dass Cloud Computing etablierte Anwender vor ganz neuartige Probleme stellen kann.

Die Schnittstelle, mit der der Nutzer auf die Cloud zugreift, ist heute noch in den allermeisten Fällen der Webbrowser (in Zukunft könnte die Integration zwischen Desktop und Web viel enger werden). Während herkömmliche Browser sich dabei am Modell eines Dokuments orientierten, das der Nutzer aus dem Netz saugt, um es dann auf seinem eigenen Rechner zu studieren, hat Google seinen vor Kurzem vorgestellten Browser Chrome gezielt daraufhin optimiert, als Plattform für Web-Anwendungen zu fungieren.

Nicht das Durchstöbern von Seiten (Englisch: to browse) ist hier entscheidend, sondern das Ausführen von Anwendungen — Webapplikationen, die in Chrome laufen, wirken wie Desktop-Anwendungen. Das zeigt sich in kleinen Details: So hat Chrome kein Interface-Element, das anzeigen würde, wie viel Prozent einer Seite schon geladen wurden — bei einer Webanwendung, die kontinuierlich Daten zwischen entferntem Server und lokalem Client austauscht, ist eine solche Anzeige sinnlos.

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