Donnerstag, 18. Oktober 2018

Reputation im Netz Leben mit der Online-Öffentlichkeit

US-Wahlkämpfer Barack Obama, SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti oder Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: Sie alle mussten die unliebsame Erfahrung machen, dass es nicht nur förderlich ist, Spuren im Netz zu hinterlassen. Im Gegenteil: Selbst wer nur wenig Zeit im Netz verbringt, sollte sich um sein Ansehen im Internet bemühen.

München - Der erste Eindruck zählt. Das ist online wie offline so. Wem es als Marke gelingt, in den ersten Sekunden positiv zu wirken, profitiert unmittelbar davon. Beim Aufbau der Reputation sollte man unbedingt das Internet einbeziehen: Rund zwei Drittel der Gesellschaft ist online unterwegs, um sich über Produkte, Unternehmen und Personen zu informieren.

Selbst wenn jemand kaum oder gar nicht im Netz aktiv ist und sich dort nicht aktiv um seinen digitalen Ruf kümmert, kann er nicht davon ausgehen, dass im Internet nichts über seine Person zu finden ist. Mitunter hat die Onlinewahrnehmung große Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung eines Angestellten, ohne dass dieser es überhaupt ahnt.

Wie sich ein Mitarbeiter online in Blogs, Chats, Videos und Foren präsentiert, wirkt sich auch offline auf die Karriere aus. In unserem beruflichen und privaten Alltag treffen wir immer häufiger auf Menschen, die ihre Erfahrungen nicht nur mündlich weitergeben, sondern der Onlinewelt mitteilen, ohne dass sie großen Einfluss darauf hätten und ihr Recht auf Privatsphäre sichern können.

Welchen öffentlichen Eindruck vermittele ich?

Wer in einem Social Network wie dem Studentennetzwerk StudiVZ seinen Arbeitgeber beleidigt und sogar über Anschläge am Arbeitsplatz diskutiert, darf sich nicht wundern, wenn dieser empört ist, arbeitsrechtliche und sogar juristische Schritte einleitet. Im vergangenen Frühjahr etwa entließ der Leiter eines Luxushotels im Spreewald neun Angestellte. Der Grund: Sie hatten angeblich in einer StudiVZ-Gruppe Reizgasanschläge auf sein Hotel geplant.

Doch manchmal kommt es noch nicht einmal zum Bewerbungsgespräch, weil die Personalverantwortlichen sich bereits im Vorfeld per Google Börsen-Chart zeigen über die Bewerber informieren. Jüngst ergab beispielsweise eine Umfrage des Jobportals Careerbuilder unter 3100 Personalmanagern in den USA, dass sich 21 Prozent von ihnen in den Social Networks Facebook und MySpace über die Jobaspiranten informieren. In Kürze wollen weitere 9 Prozent damit beginnen.

Aber auch im deutschsprachigen Raum könnten Bewerber bei ihrer nächsten Bewerbungsrunde ein böses Erwachen erleben, weil sie mit ihrer digitalen Vergangenheit konfrontiert werden. Wer Mitglied auf Xing, StudiVZ oder Facebook ist, sollte sich deshalb genau überlegen, welchen öffentlichen Eindruck das vermittelt.

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