Samstag, 17. November 2018

Schweizer Start-ups Eidgenossen im Gründerrausch

Die Schweiz und Start-ups: Zwei Begriffe, die nicht wirklich zusammenpassen mögen. Doch von vielen unbemerkt ist in dem Alpenland eine Dotcom-Szene herangewachsen, die mit guten Ideen auftrumpft. Das ist nicht zuletzt dem Staat und zwei Hochschulen zu verdanken.

Wer jemals versucht hat, mehr als fünf Leute auf einen Termin einzuschwören, weiß, wie schwierig sich das gestalten kann. Man bittet um ein Treffen und schlägt per Mail zwei Termine vor. Kurze Zeit später trudeln wortreiche Absagen mit Alternativvorschlägen ein. Schickt man diese dann nochmals in die Runde, ist das Chaos perfekt. Viel einfacher geht’s mit Doodle. Per Online-Terminplaner lassen sich ohne viel Aufwand Meetings organisieren.

Alphörner blasen zum Angriff: Die Schweiz entwickelt sich zum Web-2.0-Gründerland
In eine Maske werden der Grund des Treffens und mögliche Termine eingetragen. Doodle generiert daraus eine übersichtliche Umfrage, in die sich Teilnehmer mit Namen und Wunschtermin eintragen. Fertig!

"Wir haben nach einer einfachen Lösung gesucht", sagt Doodle-Gründer Michael Näf, "wo jedem sofort klar ist, wie sie funktioniert." Doodle überzeugt, weil es so simpel ist. Der Dienst, im März 2007 gegründet, ist bereits in 19 Sprachen verfügbar und weist über eine Million Seitenbesuche pro Monat auf. Schnell hat sich das Unternehmen zum Liebling der Schweizer Dotcom-Szene gemausert. Die Investoren stehen Schlange. Michael Näf und sein Kompagnon Paul E. Sevinç konnten sich ihre Kapitalgeber aus zahlreichen Interessenten aussuchen.

In der Schweiz herrscht Gründerstimmung. Noch nie haben so viele helvetische Start-ups von sich reden gemacht. Damals, zur Milleniumswende, hatte man wenig von einem Goldrausch in der Schweiz vernommen. Vielleicht lag es am konservativen Klima, das man dem Alpenland häufig nachsagt. Heute sieht die Situation anders aus: Auf einem Start-up-Meeting, das der britische Ableger des Web-2.0-Blogs Techcrunch in Zürich organisiert hat, versammelten sich 40 Schweizer Jungunternehmen zum 20-Sekunden-Pitch. Darunter Amazee, Cassiber, Starfruit, KeyLemon und Yes. Selbst die Veranstalter wunderten sich über die Vielzahl an Teilnehmern.

Vernetzter Handshake

Beispiel: Poken. Das junge Start-up aus Lausanne hat einen Schlüsselanhänger entwickelt, der mittels RFID soziale Daten mit anderen austauscht und diese später mit sozialen Communitys wie Linked-In und Facebook vernetzt. Funk statt Visitenkarte. "Poken lässt den Handschlag wiederaufleben", lautet der dazugehörige Slogan.

Oder Kooaba: Auch dieser Service verbindet die reale mit der digitalen Welt. Die Handysoftware ermöglicht es, Fotos von realen Objekten aufzunehmen und sie in Internet-Suchanfragen zu verwandeln. Einem Filmplakat lassen sich die lokalen Kinotermine entnehmen, touristischen Sehenswürdigkeiten künftig ein paar Daten zur Geschichte.

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