Montag, 16. Juli 2018

Auszeit Jetzt Evolutionsvorteile sichern!

Zeit, das Internet zu entdecken: Wie man Krawatten richtig bindet. Wie man ziemlich abgefahrene Werbeslogans automatisch generiert. Und wie man es am Computer mal so richtig zum Krachen bringt.

Der Humorforscher Gil Greengross veröffentlicht dieser Tage eine verstörende Untersuchung im Fachmagazin "Journal of Evolutionary Psychology". "Humor ist bekanntermaßen für Frauen sexuell attraktiv, aber wir haben herausgefunden, dass Selbstironie dabei die attraktivste Art von Humor ist" stellte der Wissenschaftler (wir können aus dieser Entfernung nur vermuten: wahrscheinlich in seiner gewohnt selbstironisch-humorvollen Art) fest.

Kleiner Selbstversuch: Welcher Mann ist attraktiver? Der souverän selbstironische Komiker Otto Waalkes ...
Der Versuchsaufbau: Zwei Jahre lang spielte Greengross' Team Studentinnen Audioaufnahmen von Männern vor, die von sich selbst erzählten. Also ziemlich genau das, was Studentinnen sich ohnehin den ganzen Tag anhören müssen. Anschließend sollten die Frauen angeben, welche Männer sie am attraktivsten fanden. Am besten schnitten dabei jene Kerle ab, die auf Prahlerei oder Witze auf Kosten anderer verzichteten und sich stattdessen selbst auf die Schippe nahmen.

Wenn man so etwas liest, dann kommt man doch ganz schön über die Evolution ins Grübeln. Bilder aus der Frühzeit der Menschheit steigen auf: Wie ein Neandertaler eine halbe Gazelle zur Höhle schleppt, um

... oder doch der hier: Senator Barack Obama, der sich nach einem Undercoverreport aus seinem Fitnessstudio ziemlich humorlos zeigte
die Neandertalerin zu beeindrucken. Die ist aber schon mit dem Kerl von der Höhle nebenan durchgebrannt, der sich mit blutigen Kratzern und leeren Händen zum Clan zurückgeschleppt, aber dabei den Humor gehabt hatte, zu sagen: "Ja, das sieht schlimm aus, aber ihr hättet erst mal das Mammut sehen sollen."

Dennoch ist der logische Fehler in der evolutionspsychologischen Untersuchung klar: Wenn die Männer mit den lustigen Genen am beliebtesten sind und damit die besten Fortpflanzungschancen haben - warum ist die Welt dann immer noch so dermaßen voll von humorlosen Buchhaltertypen, deren Selbstironie sich im Tragen eines XXL-Shirts mit der Aufschrift "Ich bin nicht dick, ich habe nur Körpermumps" erschöpft?

Auszeit im Internet
Ohne dass es Ihr Büronachbar merkt, können Sie an Ihrem MySpace-Profil feilen oder bei Ebay steigern. Dank PC sehen Sie dabei aus, als überarbeiteten Sie gerade den jüngsten Marktbericht. Wohin aber schweifen Sie ab, wenn Ihr Hausstand vollständig ist und Sie sich bereits durch das gesamte Angebot von manager-magazin.de geklickt haben? In unserer Reihe "Auszeit" stellen wir Ihnen sehenswerte Websites vor: Pointiertes, Praktisches, Paradoxes.

Übrigens sind wir für Anregungen dankbar. Sollten Sie im Internet auf eine Seite stoßen, die Ihnen passend erscheint, schicken Sie uns einfach den Link. Ihrem Vorgesetzten können Sie das als Geschäftskontakt verkaufen.
Aber vielleicht sollte man, "Journal of Evolutionary Psychology" hin, "Journal of Evolutionary Psychology" her, doch einfach Darwin den Rücken und zu Jean-Baptiste Lamarck zurückkehren. Der glaubte, dass Evolution auch durch Erwerb zustande kommen kann - vulgo: Dass die Giraffe einen langen Hals hat, weil sie sich dauernd reckt. Für uns heißt das: Ja. Es gibt Hoffnung. Hat man nur genug lustigen Input, steigen die Chancen, auch so ein cooler Hund zu werden wie die Gewinner in Greengross' Audio-Contest.

Dabei helfen wir natürlich gerne. Ist doch Ehrensache. Einfach diese Auszeit lesen, dann klappt's auch mit dem Humor - mit den kernigen Werbeslogans des Sloganizers können Sie prima selbstironische Eigen-PR betreiben, und mit Ihrem Laptop und der Knallerseite, die wir Ihnen vorstellen, sind Sie garantiert der Mittelpunkt jeder Party.

Und falls die gewünschten Erfolge ausbleiben: Ein Team von ambitionierten Wissenschaftsjournalistinnen in unserem Hause hat just herausgefunden, dass Männer in gut sitzenden Anzügen, komplett mit Krawatte und so, doch noch irgendwie einen Tick besser rüberkommen als die lustig-selbstironischen Zausel in den löchrigen T-Shirts, die wir auf dem Weg in den Feierabend manchmal an der U-Bahn-Station sehen. Unser Redaktionstipp daher: Lernen Sie vorsichtshalber erstmal ordentlich Ihre Krawatte binden, ehe Sie Witze auf Ihre eigenen Kosten machen. Auch dafür haben wir eine Seite für Sie aufgetan.

Lassen Sie sich nicht erwischen!

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