Donnerstag, 15. November 2018

Musiksuchmaschinen Dem Ohrwurm einen Namen geben

Ohrwürmer können gemein sein - diese eine Melodie will nicht aus dem Kopf heraus. Wenn man die Tonfolge irgendwo aufgeschnappt hat, aber weder Titel noch Interpret kennt, gibt es Hilfe im Internet. Spezielle Onlinedienste identifizieren namenlose Lieblingshits.

Ilmenau/Hamburg - Viele Wege führen zum Lied. So ordnet die Melodie-Suchmaschine des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie einer Gesangsaufnahme des Nutzers den passenden Titel zu. Das nennen Fachleute dann "Query By Humming" - frei übersetzt ist das die Suche nach dem Gesummten.

Die Technologie hinter der Suchmaschine wurde von dem Fraunhofer-Institut in Ilmenau (Thüringen) entwickelt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine Melodie zwar mehr als Tausend Worte sagt, aber sich viele Leute nicht trauen, im Geschäft dem Verkäufer das gesuchte Lied vorzusingen", erklärt Christian Dittmar, Leiter der für die Suchmaschine zuständigen Forschungsgruppe.

Musikrecherche per Handy
Um herauszufinden, wie der neue Ohrwurm aus dem Radio heißt, muss nicht zwingend erst der Computer eingeschaltet werden. Spezielle Handydienste helfen vor allem dann, wenn der Titel gerade läuft.

Music Spy heißt das Angebot vom Mobilfunkprovider O2 und MusicFinder das von Vodafone. Dabei wählen Nutzer die Kurzwahl 221122 (Vodafone) oder 9696 (O2) und halten dann ihr Handy für einige Sekunden in Richtung der Musikquelle. Anschließend bekommen sie eine SMS mit dem Namen des Songs und des Interpreten.

Der Service von O2 ist noch bis Ende Juli gratis, danach fallen die gleichen Kosten an wie schon jetzt bei Vodafone - 0,49 Euro pro Auskunft. Sie werden in beiden Fällen aber nur fällig, wenn die Datenbank auch wirklich einen Titel findet.
In der - relativen - Anonymität des Internets singen Musikfans offenbar lieber. Hier setzt die Fraunhofer-Suchmaschine an. Nutzer singen das Musikstück ihrer Wahl, die Töne werden analysiert und mit den Gesangsmustern einer Datenbank verglichen. Im Erfolgsfall zeigt die Suchmaschine eine Auswahl möglicher Treffer an. Benötigt wird ein angeschlossenes Mikro, ansonsten läuft alles über den Browser.

Laut Dittmar zeigt sich der Suchalgorithmus bei schiefen Tönen oder einer falschen Tonlage tolerant. Die besten Erfolgschancen hätten Anwender, die die Melodie mit "lalala" oder "nanana" vertonen. "Wer den Text singt, vernachlässigt oft die Melodie zu sehr", sagt Dittmar. Pfeifen oder Summen geht notfalls auch.

Genutzt wird der noch in den Kinderschuhen steckende Dienst bisher von Musicline, einem Webangebot der deutschen Musikindustrie. Die Datenbank deckt zwar viele Genres von Pop-Rock über Volksmusik bis Klassik ab. Mit 3500 Datensätzen ist sie aber noch sehr klein.

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