Freitag, 14. Dezember 2018

Klage Google muss YouTube-Nutzerdaten weitergeben

Niederlage vor Gericht: Google muss laut einem US-Urteil die Nutzerdaten seines Videoportals YouTube an den Medienkonzern Viacom herausgeben. Ein gut gehütetes Geheimnis bleibt allerdings entgegen der Forderung im Hause Google.

Hamburg - Ein US-Gericht bestimmte, dass Google Börsen-Chart zeigen den Mitgliedsnamen und die IP-Adressen jedes einzelnen Nutzers an den MTV-Mutterkonzern Viacom mitteilen muss, der sich ein Video auf YouTube angesehen hat, berichtete die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf das Urteil. Datenschützer kritisierten, dass die Nutzungsgewohnheiten von vielen Millionen Internetnutzern bloßgelegt würden.

Datenkraken vor Gericht: Google muss YouTube-Nutzerdaten an Viacom weitergeben
REUTERS
Datenkraken vor Gericht: Google muss YouTube-Nutzerdaten an Viacom weitergeben
Viacom will mithilfe der Daten beweisen, dass der Erfolg der Google-Tochter YouTube vor allem auf der Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Videos beruht. Dabei geht es vor allem um die von Nutzern ins Netz gestellten Musikvideos oder Ausschnitte aus Fernsehshows.

Datenschützer kritisierten, dass mit dem Urteil die Nutzungs- Gewohnheiten von vielen Millionen Internetnutzern bloßgelegt würden. Die "Electronic Frontier Foundation" sprach von einem "gravierenden Rückschritt beim Datenschutz" und wertete den Beschluss als einen klaren Verstoß gegen den "Video Privacy Protection Act". Dieses Gesetz in den USA soll verhindern, dass Kunden von Videotheken ausspioniert und die Liste der von ihnen ausgeliehenen Filme veröffentlicht werden.

Im März 2007 hatte der MTV-Mutterkonzern Viacom den Internetriesen Google verklagt. Die Viacom-Anwälte argumentierten, dass mehr als 160.000 Videos aus dem Fundus von Viacom-Sendern wie Comedy Central, VH1 und MTV bei der Google-Tochter YouTube aufgetaucht und dort unrechtmäßig verbreitet worden seien. Sie wollten in dem Rechtsstreit eigenen Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Dollar erstreiten.

"Wir sind enttäuscht darüber, dass das Gericht Viacoms übersteigerter Forderung nach Nutzerdaten nachgekommen ist", sagte eine Google-Sprecherin. Zugleich bezeichnete es der Konzern aber als Erfolg, dass das Gericht weitergehende Forderungen von Viacom abgelehnt habe. So muss Google weder Zugriff auf private Videos von Youtube-Nutzern noch Einblick in die Suchtechnologie des Unternehmen gewähren.

Google will nun zumindest verhindern, dass die Informationen unverschlüsselt an Viacom übergeben werden, die einen Rückschluss auf die Identität der YouTube-Nutzer zulassen. Zwar enthält die Datenbank keine direkten Angaben wie den Namen der Anwender oder ihre E-Mail- Adressen. Die Kombination der technischen IP-Adresse und des Login- Namens macht es aber in vielen Fällen sehr einfach, die Identität der User zu entschlüsseln. Das hatte sich auch bei einem Datenschutzskandal bei AOL gezeigt, als der Onlinedienst im Jahr 2006 eine Log-Datenbank mit Suchanfragen seiner Kunden für Forschungszwecke freigegeben hatte.

In Erklärungsnöte gerät Google nun vor allem, weil das Unternehmen überhaupt die Verbindungsdaten der YouTube-Nutzer über einen für Viacom relevanten Zeitraum aufbewahrt hat. Um das Verhalten der Nutzer für eigene kommerzielle Zwecke und die Optimierung der Dienste beobachten und auswerten zu können, speichert Google die Verbindungsdaten nämlich 18 Monate lang. Dabei hat der Internetkonzern bislang stets die rechtliche Position bezogen, dass die IP-Adressen ohne zusätzliche Angaben in der Regel nicht als personenbezogene Daten zu gelten hätten.

Der Rechtstreit mit Viacom zeigt nun auf, wie riskant diese Datenschutzpolitik von Google ist. Der Suchmaschinengigant verspricht seinen Kunden zwar, diese Daten nicht zu missbrauchen. Gegen gerichtliche Anweisungen, Datendiebstahl oder Sabotageaktionen ist aber auch Google nicht gefeit.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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