Mittwoch, 21. November 2018

Deutsche Telekom Callcenter auf Abruf

Schritt für Schritt und fast geräuschlos trennt sich die Deutsche Telekom von Tausenden Mitarbeitern. Anfang März verkauft der Bonner Konzern weitere Callcenter der Tochter Vivento. Die Telekom spricht von sozialverträglichem Abbau. Verdi wittert jedoch "erhebliche Risiken", betroffene Beschäftigte fühlen sich abgeschoben.

Hamburg - So etwas hatten die Chemnitzer Stadträte bislang nicht erlebt. Mehr als 300 Mitarbeiter der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen strömten Ende Januar in Richtung Rathaus. Spontan unterbrachen die Kommunalpolitiker ihre nachmittägliche Sitzung, um die aufgebrachten Bürger anzuhören.

Schatten über der Konzernzentrale: Die Telekom will weiter Personal abbauen
Der Grund für den Unmut: Zum 1. März verkauft die Telekom ihr Chemnitzer Callcenter an die Bertelsmann-Tochter Arvato Services. Genauso wie die Standorte in Stralsund, Schwerin, Freiburg und Göppingen. 640 Mitarbeiter sind nach Angaben der Telekom von der Maßnahme betroffen.

Damit bringt der Bonner Konzern nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Lokalpolitiker in Wallung. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) und die Stadtratsfraktionen sahen sich zu einer gemeinsamen Solidaritätsadresse genötigt: Man betrachte die Entscheidung der Telekom "mit Unverständnis und Sorge". Es sei zu befürchten, "dass dieses Beispiel Schule macht". Das Horrorszenario der Bürgervertreter: Weitere Ausgliederungen, ein "massiver Abbau von Beschäftigten der Telekom am Standort Chemnitz" sowie "Lohndumping und Abwanderung qualifizierter Fachkräfte".

Auch Verdi schlägt Alarm. Die Verkäufe der fünf Callcenter-Standorte an Arvato berge "erhebliche Risiken", heißt es in einem internen Mitgliederschreiben der Gewerkschaft. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, "dass erhebliche Einschnitte geplant sind".

Der Verkauf der Callcenter, die zur Telekom-Tochter Vivento Customer Services (VCS) gehören, ist Teil eines Masterplans zum Personalabbau. Die Beschäftigungsgesellschaft Vivento dient der Telekom als Vermittlungsstelle für Beschäftigte, die beim Mutterkonzern nicht mehr benötigt werden. 2007 hatte der Bonner Konzern bereits fünf Callcenter mit etwa 1100 Beschäftigten an die Bertelsmann-Tochter Arvato übergeben. Weitere sieben Standorte mit rund 1000 Mitarbeitern gingen in den vergangenen beiden Jahren an die Walter-Telemedien-Gruppe. Und der Abverkauf soll weitergehen.

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