Freitag, 16. November 2018

IT-Consulting Gut beraten, aber von wem?

2. Teil: Schwierigkeiten bei der Koordination

Schwierigkeiten bei der Koordination

Eine Studie der Economist Intelligence Unit hat die mangelnde Koordination zwischen IT- und Businessmanagern als signifikante IT-Projektbremse ermittelt. Die Folgen: Verspätungen bei Produkteinführungen, Umsatzeinbußen und verfehlte Sparziele.

Ernst & Young-Berater Heinrich: "Die IT ist nur noch Mittel zum Zweck"
Die Beratungsmannschaft von HP Services verficht angesichts solcher geschäftlichen Reibungsverluste einen klaren Ansatz: "Die IT hat sich an den Geschäftsprozessen auszurichten und nicht umgekehrt", so Ernst. Damit sei aber kein theoretisches Prozesskonstrukt vom Reißbrett gemeint. "Die Beschreibung der Prozesse muss nicht zwangsweise auf höchster Ebene gestartet werden. Sie kann auch in den Fachbereichen beginnen." Der Vorteil dieser Vorgehensweise: die Fachbereiche kennen genau ihre Prozesse, Ergänzungen und Veränderungen. Dadurch können sie in kürzerer Zeit umgesetzt werden. "Wir fangen mit kleinen, überschaubaren Prozessen an. Die wachsen sukzessiv durch Verknüpfung zu kompletten Geschäftsprozessen zusammen. Teilerfolge werden dadurch schneller erreicht und besser sichtbar", erklärt Ernst.

Eine Technologie um der Technologie willen ist in den Unternehmen längst nicht mehr gefragt. Mit dem Ende des IT-Hypes 2001 hat sich die Euphorie ins Gegenteil verkehrt. "Was zählt, ist der geschäftliche Nutzen", so Rainer Huttenloher, Chefredakteur der "Computer Zeitung". "Genau den muss die IT-Organisation mit ihren Leistungen bewerkstelligen."

Firmen brauchen geschäftsnahe Beratung

Der Branchendienst der Sparkassen Finanzgruppe hat erhoben, was ganz oben auf der Agenda der Manager steht, wenn sie vermehrt Beratungsbeistand von Außen anfordern: Kostenmanagement, Kundenbeziehungsmanagement, Globalisierung, organisatorisches Wachstum und IT-Innovationen. "Der Schuh drückt die Unternehmensführer dort, wo geschäftliche Probleme entstehen", erklärt Huttenloher. Demzufolge erwarteten sie von den Beratern vor allem an diesen Stellen Hilfe.

Der BDU hat die Consultingleistungen für die Optimierung des Geschäftsauftritts aufgeschlüsselt. IT-Consulting macht danach in Deutschland nur noch ein Viertel (25,2 Prozent) des Beratungskuchens aus. Die übrigen Dreiviertel entfallen auf geschäftsnahes Consulting mit den Säulen Strategie (30,5 Prozent), Organisation und Prozesse (33,7 Prozent) sowie Personal (10,6 Prozent).

"Der Wind hat sich gedreht. Heute ist die IT nur noch Mittel zum Zweck", rekapituliert Robert Heinrich, Partner bei Ernst & Young, die Erfahrungen seiner Beratungsmannschaften. Dennoch sei der Anspruch, geschäftliche Ziele mittels IT umzusetzen, alles andere als trivial. "Die Systeme müssen gleich Zahnrädern in einem Uhrwerk zusammenwirken, damit das Geschäft richtig tickt", beschreibt Heinrich die Schwierigkeit.

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