Sonntag, 9. Dezember 2018

Ruzicka-Affäre "Alle haben profitiert"

Seit nunmehr elf Monaten sitzt Aleksander Ruzicka in Untersuchungshaft. Dem Ex-CEO der Mediaagentur Aegis wird schwere Untreue zulasten seines ehemaligen Arbeitgebers vorgeworfen. Nun äußert sich der Manager erstmals zu den Vorwürfen - und weist jegliche Schuld von sich.

Wien – "Weder Aegis Media noch Kunden seien geschädigt worden", erklärt Aleksander Ruzicka in seinem ersten Interview seit der Verhaftung vor elf Monaten gegenüber dem österreichischen Dienst "Medianet". Alle Beteiligten hätten von dem System profitiert.

Ex-CEO Ruzicka: Unschuldig oder ein guter Lügner?
Der Ex-CEO der Mediaagentur Aegis Media wurde im Oktober 2006 verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Dem Manager wird schwere Untreue in 87 Fällen vorgeworfen, die insgesamt einen Schaden in Höhe von 52 Millionen Euro zulasten seines ehemaligen Arbeitgebers zur Folge hatten. Ruzicka soll Naturalrabatte bei Werbezeiten nicht an die betreffenden Kunden weitergegeben haben.

In dem Interview erläutert der Ex-CEO das "System", wie Aegis Media mittels verschiedener Firmen Informationen gewinnen konnte und dadurch die besten Konditionen für die Agentur sowie deren Kunden erlangen konnte. Auf Kundenveranstaltungen wie Jagdausflügen, Sommerfesten und Reisen hätten die Aegis-Mitarbeiter Informationen über die Konditionen der Wettbewerber erhalten. Organisiert worden seien die Kundentreffen von dubiosen Drittfirmen wie Camaco und Watson. "Das System besteht schon seit den 90er Jahren und wurde im Laufe der Zeit verfeinert", so Ruzicka.

"Herr Bölte wollte meinen Job"

Für den Manager eine rechtlich einwandfreie Methode: "Wir haben einen legalen Weg mit Kundengeldern gefunden, wie wir Kundenvorteile und Aegis-Vorteile generieren", meint Ruzicka. Sein Arbeitgeber soll davon gewusst haben. "Da waren sechs oder sieben Abteilungen involviert", erklärt der Ex-CEO.

Die anonyme Anzeige hat Ruzicka seiner Meinung nach dem damaligen Finanzchef Andreas Bölte zu verdanken, der übrigens auch von den Aktivitäten gewusst und mehrere Rechnungen per Hand abgezeichnet haben soll. "Offensichtlich wollte Herr Bölte meinen Job haben."

Insgesamt sei aber laut Ruzicka nichts Illegales passiert. Die sogenannten Kickbacks – Rabatte, die die Vermarkter der verschiedensten Medien den Mediaagenturen einräumen – habe er nie erhalten. "Somit habe ich auch nichts veruntreut", erklärt der Manager.

Aegis Media ist eine der größten Mediaagenturen weltweit. Das Unternehmen kauft für verschiedene Unternehmen Werbezeiten bei den Vermarktern verschiedener Medien ein. Da Aegis Media ihren Kunden die Verteilung der Werbegelder empfiehlt, verfügt die Agentur über eine gewaltige Marktmacht.

Die Einräumung von Kickbacks ist daher durchaus üblich, wenn auch moralisch umstritten. Ruzicka soll diese Rabatte beispielsweise potenziellen Neukunden angeboten haben, um damit den Zuschlag für die Verwaltung ihrer Werbebudgets zu bekommen. Die anderen Kunden sollen dagegen leer ausgegangen sein.

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