Montag, 21. Januar 2019

Premiere Erhöhte Übernahmegefahr

Ein Abgang trotz des Aufschwungs: Premiere-Chef Georg Kofler überrascht Analysten und Anleger mit seiner Rücktrittsankündigung. Wie geht es nun weiter mit dem Pay-TV-Anbieter, der sich unlängst die Bundesligarechte zurückerobert hat? Eine Ära der leiseren Töne könnte nun anbrechen.

Hamburg - Er ist so etwas wie der Poltergeist der deutschen TV-Szene. "Mich stört die ARD-Sportschau eminent", hatte Georg Kofler Anfang August betont. In der frei empfangbaren Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga sieht der Premiere-Chef seinen schlimmsten Feind.

Daumen hoch: Kofler sieht Premiere besser aufgestellt denn je - und zieht sich zurück
Am liebsten würde er die ARD-Konkurrenten dazu zwingen, ihre Sendung ins Spätabendprogramm zu verbannen. Fußballfans sollen lieber seinen kostenpflichtigen Dienst abonnieren. Vor allem an Koflers vehementer Forderung nach mehr Exklusivität waren Ende 2005 auch die Verhandlungen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) über die Bundesliga-Übertragungsrechte gescheitert. Der zuvor völlig unbekannte Konkurrent Arena erhielt den Zuschlag.

Inzwischen hat sich der taumelnde Pay-TV-Riese, dessen Überleben vor anderthalb Jahren ernsthaft gefährdet schien, wieder erholt. Über eine Sublizenz eroberte sich Premiere Börsen-Chart zeigen die Bundesligarechte vom erfolglosen Rivalen Arena zurück. Das Unternehmen schreibt zwar noch rote Zahlen, gewinnt aber viele Neuabonnenten. "Premiere war noch nie in der Unternehmensgeschichte so gut aufgestellt", jubilierte Kofler Ende Juli. Ausgerechnet jetzt wirft er das Handtuch.

"Der Zeitpunkt kommt völlig überraschend", sagte Chris-Oliver Schickentanz, Analyst der Dresdner Bank, gegenüber manager-magazin.de. In Koflers letzten Analystenkonferenzen habe es dafür keinerlei Anzeichen gegeben. Auch die Börse reagierte irritiert. Im MDax Börsen-Chart zeigen gaben Premiere-Aktien bis zum frühen Nachmittag um knapp 3 Prozent nach.

Koflers Abgang hat nach Ansicht des Analysten auch mit seinem barschen Auftreten in den Rechteverhandlungen zu tun: "Kofler hat viel Porzellan zerschlagen", so Schickentanz, "das hat ihn in der DFL-Chefetage, aber auch bei mächtigen Fußballmanagern wie Uli Hoeneß Ansehen gekostet." Eine weitere mögliche Erklärung lautet: Der notorische Draufgänger Kofler sieht keine Herausforderung mehr bei Premiere: Der Börsengang ist längst vollzogen, Bundesliga wird wieder live ausgestrahlt - das Unternehmen bewegt sich in sicherem Fahrwasser. "Jetzt ist die Zeit für einen Themenwechsel gekommen", sagt Kofler.

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