Freitag, 14. Dezember 2018

Rückblick Geldautomat mit Öffnungszeiten

Karte rein, Geld raus - Geldautomaten erleichtern den Alltag. Was heute selbstverständlich klingt, begann vor 40 Jahren mit radioaktiven Schecks und Apparaten, die nur zu bestimmten Zeiten zugänglich waren. Ein Rückblick auf die Geschichte der Bargeldspender.

Hamburg - England, Frühling 1965, ein Samstagmorgen auf dem Land. John Shepherd-Barron, Manager einer Firma, die Banknoten-Zählanlagen herstellt, will einen Scheck gegen etwas Bargeld für das Wochenende einlösen. Um 12.30 Uhr schließt die Zweigstelle seiner Bank. Eine Minute später kommt Shepherd-Barron an. Er steht vor der verschlossenen Tür. Kein Geld.

Abends in der Badewanne grübelt er: Am Bahnhof geben Automaten Schokoriegel aus, wenn man die richtigen Münzen einwirft. Warum sollte eine Maschine nicht Schecks schlucken und Bargeld ausspucken?

Diese Anekdote seines Heureka-Moments erzählte John Shepherd-Barron, inzwischen 82, im Februar vor der versammelten Geldautomatenindustrie in Florida. Auf deren Konferenz war er Ehrengast, denn er ist einer der vier Väter dieser Maschine.

Den ersten Automaten stellte vor 40 Jahren die Barclays-Bank in der Kleinstadt Enfield nördlich von London auf, am 27. Juni 1967. Heute hat er weltweit 1,65 Millionen Nachfahren, wie das Marktforschungsunternehmen Global Industry Analysts ermittelte. In Großbritannien stehen rund 60.000 Geräte, in Spanien 58.000, in Deutschland 53.000 – dritter Platz in Europa laut Retail Banking Research.

Strahlende Schecks

Mit Shepherd-Barrons Idee haben diese Geräte nur noch wenig gemein. Der Brite hatte wirklich so etwas wie den Schokoriegelautomaten für Bargeld geschaffen. Bei dem vor 40 Jahren aufgestellten Gerät gab es keine Computeranbindung, keine Karte mit Magnetstreifen. Der Automat prüfte einen Scheck, behielt ihn ein, entwertete ihn. Der Kunde bekam den Gegenwert in Bargeld. Höchstens zehn britische Pfund allerdings. "Aber das war damals mehr als genug für ein wildes Wochenende", sagte Shepherd-Barron der BBC.

Die Schecks waren mit dem schwach radioaktiven Kohlenstoff-Isotop 14C behandelt, um Informationen zu speichern. Laut Shepherd-Barrons indentifizierten sich die Scheckbesitzer mit einer vierstelligen persönlichen Geheimzahl. Anders als heute konnten Bankkunden 1967 nur so viel Geld abheben, wie sie als Gegenwert in den speziellen Schecks besaßen, und auch das nur bei einer einzigen Filiale. Dafür bekamen sie die Scheine aber zu jeder Zeit und ohne Kontakt zu einem Kassierer.

Diese zwei Vorzüge reichten, um Shepherd-Barrons Gerät zum Exportschlager zu machen. 1968 installierte die Schweizer Nationalbank ein verwandtes Gerät, 1969 die Pennsylvania Bank. Die US-Firma Diebold arbeitete in einer Gemeinschaftsfirma mit Shepherd-Barrons Arbeitgeber De La Rue an Geldautomaten für den US-Markt. Ähnliche Kooperationen begann De La Rue Ende der 60er Jahre in Japan mit Firmen wie Fujitsu und Hitachi.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH