Freitag, 14. Dezember 2018

Wikipedia "Googles Vorteil liegt allein im Branding"

Mit einer neuartigen Suchmaschine startet Wikipedia-Gründer Jim Wales den Angriff auf Google. Im Interview verrät er seinen Plan dafür - und verteidigt sich gegen den Vorwurf, dass Mitmach-Enzyklopädien notorisch fehlerhaft sind.

Frage: Mister Wales, Wikipedia gibt es in über 128 Sprachen. Die deutschsprachige Version ist nach dem Original die größte und umfangreichste. Wie erklären Sie sich das?

Wikipedia-Gründer Wales: Jetzt plant er eine eigene Suchmaschine
Wales: Weil die Deutschen so schlau sind. (Lacht.) Deutschland hat eine starke enzyklopädische Tradition. Die Deutschen sind gut organisiert. Schon in den Anfangstagen von Wikipedia waren sie sehr stark vertreten.

Frage: Sowohl die deutsche als auch die englischsprachige Wikipedia hat Schlagseite: Einträge zur Popkultur und zu aktuellen Themen sind viel länger und beliebter als die zur Hochkultur, zur Wissenschaft und zur Geschichte. Besorgt Sie das?

Wales: Wir nennen das "systembedingtes Vorurteil". Nicht die einzelnen Einträge in sich sind verzerrt, aber ihr Gesamtbild. Früher war diese Kritik berechtigt. Doch es ist viel besser geworden. Je umfassender Wikipedia wird, umso mehr gleicht sich das aus. Traditionelle Lexika hatten früher ja auch Schlagseite, nur andersrum: Sie neigten zu trockenen, hochwissenschaftlichen Einträgen. Dies zeigt uns, wie sich die Gesellschaft gewandelt hat.

Frage: Sie sagen gerne, die demokratische Mehrheit der Wiki-Nutzer korrigiere eventuelle Fehler sowieso schnell. Doch Wiki ist notorisch fehlerhaft. Stört Sie das nicht?

Wales: Wikipedia ist ein Produkt, das sich konstant erneuert. Jede Seite kann zu jedem Zeitpunkt schon wieder obsolet sein. Wir weisen deshalb ja auch ausdrücklich darauf hin, Wikipedia nicht als Quelle für wissenschaftliche Aufsätze zu verwenden.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH