Montag, 20. August 2018

Arbeitgeber Google Die Suchmaschinen-Karriere

3. Teil: Der "Googliness"-Faktor

Der "Googliness"-Faktor

Eine große Zahl freier Stellen bedeutet jedoch nicht, dass die Jobs leicht zu bekommen wären. Bei der Bewerberauswahl siebt Google gnadenlos aus - nach ungewöhnlich strengen Kriterien. Übernahmequote: 4 Prozent. Neben einem sehr guten Studienabschluss und fließendem Englisch achten Personal-Recruiter auf den "Googliness"-Faktor: Ein Bewerber muss besondere Eigenschaften und Fähigkeiten ins Team einbringen können. "Wir suchen Leute, die etwas zu erzählen haben", sagt Personalmanagerin Baumeister. Einmal hat ein deutscher Bewerber eine Datei mit einem selbst intonierten Lied mitgeschickt. Das beeindruckte die Personaler.

Google-Gründer: Jeder neue Mitarbeiter muss entweder von Gründer Larry Page oder dessen Kompagnon Sergey Brin persönlich abgesegnet werden
Am Standort Finnland wurde unlängst Petri Kokko engagiert, früherer Europameister und WM-Zweiter im Eiskunstlauf. Egal, ob Sänger, Weltmeistertitel oder Mäusezüchter - Google Börsen-Chart zeigen sucht spannende Menschen. "Das kreative Umfeld soll erhalten bleiben", erklärt Baumeister, "dazu brauchen wir kreative Typen". Ein weiteres zentrales Kriterium: Teamfähigkeit. Wer einen ruppigen Charakter besitzt, wird aussortiert. "Wir sind hier alle sehr ehrgeizig", sagt Baumeister, "aber Ellbogentypen haben keine Chance."

Bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch, so die Personalerin, sollte der Kandidat außerdem eine "Leidenschaft für Google" erkennen lassen. Warum ist ausgerechnet der Suchmaschinenanbieter aus Kalifornien Ihr Wunscharbeitgeber? "Google ist meine Startseite", so lautet eine häufige Antwort, die in aller Regel zum K.o. führt. "Die Leute müssen verstehen, in welch aufregendem Umfeld sich Google bewegt", erklärt Baumeister, "sie müssen begründen können, warum sie gerade jetzt in diesen Zeiten bei Google arbeiten wollen."

Lena Wagner hat es geschafft. Die 26-Jährige wurde vor wenigen Monaten als PR-Fachkraft eingestellt. Ihren Studienabschluss hat sie - nach einem PR-Volontariat in Hamburg - an der Syracuse University im US-Staat New York gemacht. Zu ihren Hobbys gehört Eisstockschießen. Sportliche Spitzenleistungen hat sie nicht vorzuweisen, dafür war der Bewerbungsmarathon rekordverdächtig.

Insgesamt ein Jahr dauerte der Bewerbungsprozess, zehn Gespräche mit Personalverantwortlichen und künftigen Kollegen hat Wagner geführt. Als sie nach mehreren Wochen höflich beim Unternehmen nachfragte, stellte sie fest: "Die Bewerbung lag bei Larry Page auf dem Schreibtisch". Entweder Page oder sein Kollege Sergey Brin - einer der beiden Google-Gründer muss stets seinen Segen geben. Bei jeder Neueinstellung. Bis heute.

Inzwischen sei der Bewerbungsprozess gestrafft worden, beteuert Baumeister - auf zwei bis drei Monate. Nach einem Telefonat mit der Recruiting-Abteilung muss sich der Kandidat in vier persönlichen Gesprächen mit zukünftigen Kollegen unterhalten. Verlaufen diese Gespräche erfolgreich, wird er vor das "Hiring Committee" geladen. Diese Auswahljury besteht aus Personalexperten sowie Google-Mitarbeiten aus demjenigen Bereich, für den sich der Kandidat beworben hat.

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH