Freitag, 16. November 2018

WAZ-Gruppe Brost-Holding mit neuer Führung

Ex-Tchibo-Chef Reinhard Pöllath wird Geschäftsführer der Brost-Holding, der 50 Prozent des WAZ-Verlags gehören. Bei der WAZ selbst bleibt ein Chefposten für den zweiten Eigner FFG weiterhin vakant.

Hamburg - Bei der WAZ-Gruppe, dem größten europäischen Regionalzeitungsverlag, der zu gleichen Teilen den Nachfahren seiner Gründer Erich Brost und Jakob Funke gehört, wurden weitreichende personelle und gesellschaftsrechtliche Änderungen vorgenommen.

Vom Berater zum Geschäftsführer: Pöllath stärkt die WAZ-Gruppe
Für Erich Schumann - den kürzlich im Alter von 76 Jahren verstorbenen Adoptivsohn des Mitgründers Erich Brost - rückt der Rechtsanwalt Reinhard Pöllath (59) in die Geschäftsführung der Brost-Holding ein, die 50 Prozent an dem Essener Verlagshaus kontrolliert. Neben Pöllath gehören der Holdingspitze die Gründerwitwe Anneliese Brost (87) und der WAZ-Geschäftsführer und ehemalige Kanzleramtsminister Bodo Hombach (54) an.

Der renommierte Wirtschaftsanwalt Pöllath ist Berater des in München lebenden, 1978 ausgezahlten Gründersohns Martin Brost, auf dessen Kinder der 20-prozentige Firmenanteil von Erich Schumann nun übergeht. Anneliese Brost hatte das Erbe im Februar aus Steuergründen ausgeschlagen. Die Testamentsvollstreckung freilich liegt noch bis 2015 beim Essener Anwalt Peter Heinemann, dem Sohn des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Auch der 30-prozentige Firmenanteil von Anneliese Brost wird bei ihrem Ableben an die Enkelkinder des Gründers fallen.

Blockadepolitik könnte aufgeweicht werden

Dem interessierten Publikum ist der Advokat Pöllath vor allem aus seiner Zeit als Konzernchef der Tchibo-Holding (2002 bis 2003) ein Begriff. Heute ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Die Kanzlei Pöllath + Partners in München gehört zu den ersten Adressen der Innung, wenn es um die Beratung von Familienunternehmen geht.

Nicht gänzlich unberührt von den Veränderungen auf der Brost-Seite bleibt die nicht immer einfache Beziehung zur Funke Familiengesellschaft FFG, die die anderen 50 Prozent der Zeitungsgruppe hält und paritätisch von den Familien Grotkamp, Schubries und Holthoff kontrolliert wird.

In der Vergangenheit gestalteten sich die Abstimmungsprozesse zwischen den beiden Stämmen schwierig. Einiges spricht dafür, dass mit der Bestellung Pöllaths, der auch bei der FFG über einen guten Ruf verfügt, die in der Vergangenheit geschäftlich bisweilen unerfreuliche Blockadepolitik zu Ende geht. Auch die Gespräche über eine Modernisierung der Unternehmensverfassung dürften mit Pöllath, wie es intern heißt, "erfolgversprechender verlaufen".

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