Donnerstag, 15. November 2018

Tiscali Freenet greift zu

Monatelang war Tiscali auf der Suche nach einem Käufer für das schwächelnde Deutschland-Geschäft - und Freenet mindestens ebenso lange daran interessiert. Nachdem die Fusion mit der Mutter Mobilcom nun seit zwei Wochen in trockenen Tüchern ist, steht auch der Übernahme des Privatkundengeschäfts von Tiscali nichts mehr im Wege.

Mailand - Der Kaufpreis für das Privatkundengeschäft von Tiscali Börsen-Chart zeigen liege bei 30 Millionen Euro, teilte Freenet Börsen-Chart zeigen mit. Von den 380.000 Tiscali-Kunden Ende 2006 seien etwa ein Drittel Breitbandkunden. Mitarbeiter oder Teile des Tiscali-Netzes übernimmt die Mobilcom-Tochter nicht. Der Transaktion, deren Abschluss noch im ersten Quartal erwartet wird, müssen noch die Kartellwächter zustimmen.

Willkommen bei Freenet: Für 30 Millionen Euro übernehmen die grünen Vögel das Privatkundengeschäft von Tiscali
"Mit der Übernahme der Verträge erhöhen wir unsere Kundenbasis um 10 Prozent auf 1,1 Millionen Nutzer", sagte Vorstandschef Eckhard Spoerr. Dies entspreche dem Wachstum eines guten Quartals. Damit habe man jetzt wieder einen gewissen Abstand zum Wettbewerber Hansenet geschaffen. Ein positiver Nebeneffekt der Transaktion sei zudem, dass es nun einen Konkurrenten weniger auf dem umkämpften deutschen Internetmarkt gebe. Hier sieht sich Freenet als Nummer zwei hinter der Telekom-Tochter T-Online.

Von der Übernahme erwartet der Vorstandschef erhebliche Synergien. "Denkbar ist eine Größenordnung von 20 Prozent des Umsatzes dieser Aktivitäten", so Spoerr. Tiscali hatte damit im vergangenen Jahr rund 45 Millionen Euro erlöst, aber einen Betriebsverlust von etwa drei Millionen Euro erwirtschaftet. Im Verbund mit Freenet werde es aber in diesem Jahr auf jeden Fall ein positives operatives Ergebnis geben, betonte Spoerr. Er verwies darauf, dass Freenet im eigenen Netz genügend Kapazität für die neu hinzukommenden Kunden habe und keine zusätzlichen Netzkosten entstünden.

Akquisitionsziele im Bereich Unterhaltung

Der Vorstandschef zeigte sich zudem offen für weitere Zukäufe. "Damit sind wir nicht saturiert", sagte Spoerr. Freenet sei in einer "Position der Stärke auch für weitere Akquisitionen". In Frage kommen nach Spoerrs Worten nicht nur andere Internetunternehmen, sondern auch Unternehmen aus dem Konvergenzumfeld, etwa im Bereich Unterhaltung.

Tiscali hat bereits vor einigen Monaten den Rückzug aus weiten Teilen Europas begonnen. Angetreten, eine Art AOL Europas zu werden, musste der italienische Internetdienstleister bald erkennen, dass er sich auf den vielen europäischen Märkten verzettelte und Verluste statt Synergien erzeugte.

Getrennt hat sich Tiscali unter anderem bereits von seinem skandinavischen, österreichischen und spanischen Geschäft, verkauft werden soll neben der deutschen Sparte auch die tschechische. Mit den Erlösen will das Unternehmen den Ausbau der Medien- und Telekommunikationsdienste in den Kernmärkten Italien und Großbritannien finanzieren.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters und vwd

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH