Mittwoch, 19. Dezember 2018

Datenschutz Internet im Zwiebellook

Jeder Internetnutzer hinterlässt seine Spuren im Web - ob er will oder nicht. Das internationale Projekt "The Onion Router" ermöglicht nun auch anonymes Surfen. Kritiker befürchten jedoch, dass die schichtweise Verschlüsselung von Daten auch für kriminelle Zwecke missbraucht werden könnte.

Frankfurt am Main - "Ich habe wenig zu verbergen, kann mir aber kein Leben in einer Welt ohne Schutz der Privatsphäre vorstellen." Nach diesem Motto haben Internetaktivisten einen Dienst entwickelt, der den anonymen Datenverkehr im Internet ermöglicht.

Beim Häuten der Zwiebel: Das TOR-Projekt wurde 2002 in den USA gestartet
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Beim Häuten der Zwiebel:
Das TOR-Projekt wurde 2002 in den USA gestartet
Bezeichnet wird das Projekt als TOR, was sich aus der Abkürzung von "The Onion Router" herleitet und kurz als Zwiebelnetz übersetzt werden könnte. Wenn man sich in das TOR-Netz begibt, werden die Daten wie die Häute einer Zwiebel schichtweise verschlüsselt und über eine Vielzahl von Rechnern geleitet, deren Verwalter sich an dem Projekt beteiligen.

Beim Anfordern einer bestimmten Webseite erfährt der Internetprovider nur noch die Adresse eines Eingangsknotens im TOR-Netz, kann aber den weiteren Weg ebenso wenig nachverfolgen wie das eigentliche Ziel der Datenanfrage. Das Netz wurde 2002 in den USA aufgebaut, befindet sich noch in der Entwicklung und wird inzwischen vor allem von der Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) vorangetrieben, die sich für den Datenschutz im Netz einsetzt.

TOR bietet keinen absoluten Schutz, da die Daten bei der Überwachung mehrerer Knotenrechner rekonstruiert werden können. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass es wegen der Umwege im Netz deutlich länger dauert, bis der Browser die angeforderte Webseite anzeigt. Wegen der einfachen Bedienung wird TOR aber inzwischen von mehreren Hunderttausend Internetnutzern eingesetzt. Die freie Software für TOR ist schnell heruntergeladen und lässt sich unter Windows ebenso installieren wie auf einem Mac- oder Linux-Rechner.

Danach enthält die Taskleiste zwei neue Symbole. Ein weißes P auf blauem Grund steht für den Proxyserver "Privoxy", der die Datenanfragen ins TOR-Netz leitet. Eine grüne Zwiebel öffnet ein Werkzeug für das Starten und Beenden des Dienstes.

Schließlich ist es noch erforderlich, die Proxyeinstellungen im Browser zu bearbeiten. Beim Internet Explorer muss man dies manuell erledigen. Für den Firefox gibt es eine praktische Erweiterung, den TOR-Button, der das schnelle Umschalten in das TOR-Netz mit einem Mausklick erledigt. Ebenso schnell kann man auf diese Weise aus dem zwar anonymen, aber eben auch langsamen Zwiebelnetz wieder aussteigen.

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