Dienstag, 20. November 2018

ProSiebenSat.1 Steigt Springer mit türkischer Hilfe ein?

Im Bieterwettbewerb um die Sendergruppe ProSiebenSat.1 hat die türkische Dogan-Gruppe das bisher beste Angebot abgegeben. Gleichzeitig gibt Springer bekannt, sich mit 25 Prozent an Dogan TV beteiligt zu haben - ein geschickter Schachzug, um doch noch in München zum Zuge zu kommen, vermuten Insider.

Hamburg - Das Bietergefecht um den deutschen TV-Konzern ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen ist derzeit in der heißen Phase. Nach Informationen von manager-magazin.de bewerben sich mehr als zehn Investorengruppen um die Anteile an der Sendergruppe, die die Eigentümergruppe des US-Milliardärs Haim Saban verkaufen will.

Aydin Dogan: Der Chef des türkischen Medienkonzerns bietet für den deutschen TV-Konzern ProSiebenSat.1
Zu den Interessenten zählen milliardenschwere Finanzinvestoren wie Apax, der Telekom-Aktionär Blackstone oder die US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen. Für Aufsehen sorgte zuletzt der umstrittene italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der Interesse an dem TV-Konzern zeigte, aber mit dem Begehren schnell abblitzte.

Das beste und höchste Angebot hat bisher, wie Insider berichten, die türkische Dogan Yayin Holding um den größten türkischen Medienzaren Aydin Dogan abgegeben. Deren publizistisches Flaggschiff ist die Tageszeitung "Hürriyet". Zu Dogan gehören neben acht Tageszeitungen auch die Fernsehsender Kanal D und CNN Türk.

Diese Meldung wäre in einem zusammenwachsenden Europa keinesfalls so spektakulär, wenn nicht der Springer Verlag gerade bekannt gegeben hätte, 25 Prozent an der Sendergruppe Dogan TV übernommen zu haben. Der Kaufpreis beträgt laut Springer "zunächst" 375 Millionen Euro. Springer werde zwei von sieben Mitgliedern im Verwaltungsrat bei Dogan TV stellen.

Mathias Döpfner: Kommt der Springer-Chef mit türkischer Hilfe doch noch bei ProSiebenSat.1 zum Zuge?
Mit Aydin Dogan pflegt Springer Börsen-Chart zeigen bereits seit Längerem gute Beziehungen. Zwischen der "Bild"-Zeitung und der "Hürriyet" gibt es bereits journalistische Kooperationen, "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hat sogar einen Sitz im Beirat von "Hürriyet". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat kürzlich Aydin Dogan in seinem hessischen Druckzentrum besucht.

Branchenkenner vermuten nun, dass Springers Beteiligung in der Türkei ein geschickter Schachzug sein könnte, sich quasi um die Ecke erneut um die Sendergruppe ProSiebenSat.1 zu bewerben. Springers erstes Angebot hatte das Kartellamt wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken abgelehnt.

"Springer hat das Thema ProSiebenSat.1 nie aufgegeben", meint ein Insider, "dies könnte ein Weg sein, über den türkischen Partner einen erneuten Übernahmeversuch zu wagen." Interessant sei, wie die Wettbewerbshüter diese neue Konstruktion beurteilten.

Bei Springer hieß es, die Beteiligung an Dogan TV habe nichts mit einem Interesse an ProSiebenSat.1 zu tun. "Das sind zwei verschiedene Dinge", meinte die Sprecherin.

Aber vielleicht kommt Springer ja doch noch auf eine gute Idee.

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